So toxisch ist die deutschsprachige LGBTQ+ Community auf Twitter

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Grüß dich! Vielleicht hast du ja letztens den Supergau mitbekommen, der sich auf Twitter ereignet hat, als ich einen Nutzer auf den Missstand hingewiesen habe, ein cis-feindliches Framing herzustellen. Was folgte, war eine ziemliche Katastrophe. Aber im Nachhinein hat mir der Zwischenfall auch einige sehr interessante und wertvolle Kontakte eingebracht.

Das hier wird daher ein etwas anderer Artikel der Hingeschaut-Reihe. Ich schreibe ihn nämlich zusammen mit Kathrin (36, transgeschlechtlich, schon seit 10 Jahren Mitglied der Community auf Twitter), Peter (47, homosexuell, schon seit 7 Jahren Mitglied der Community auf Twitter) und Isabelle (19, transgeschlechtlich, kein geoutetes Mitglied der Community auf Twitter).

Bevor es losgeht, hier noch ein kurzer Disclaimer:

Ihre Namen wurden zu ihrer Sicherheit in Absprache verändert. Dieser Artikel ist insofern zusammen mit ihnen geschrieben worden, dass sie ihre nachfolgenden Erfahrungen selbst schildern. Ich habe die Texte lediglich Korrektur gelesen und sie alle den Artikel vor der Veröffentlichung noch einmal durchlesen lassen.

Außerdem haben sich sieben weitere Personen aus der LGBTQ+ Community, von denen vier nicht auf Twitter sind, dazu bereiterklärt, den Artikel ebenfalls vor der Veröffentlichung durchzulesen. Diese vier Personen sind im Übrigen aus ebendiesem Grund nicht mehr auf Twitter zugegen: Weil der dort vertretene Teil der Community verdammt toxisch geworden ist und dies der gesamten Bewegung am Ende mehr schadet als dass es ihr nützt.

Man muss nicht über Menschen sprechen, denen man helfen will. Sondern mit ihnen.

Und getreu diesem Gedanken geht es nun auch schon los.

Dass Twitter eine allgemein recht toxische Plattform ist, dürfte dir womöglich ja schon bekannt sein. Und das ist schon seit Jahren so. Egal, wo man hinsieht, oder um welches Thema es geht; die Leute sind unfreundlich, sie motzen und suhlen sich in ihrer Negativität.

Schafft man es, die richtige Bubble um sich zu scharen, oder ist man ignorant genug, um alle anderen auszublenden, dann kann es auch mal heißen: Es ist eben nicht nur Twitter. Dann können gute Freundschaften dadurch entstehen. Beziehungen sogar. Ich durfte schon mehrfach Zeuge davon werden und es ist jedes Mal aufs Neue wunderschön.

Auch finde ich Twitter wunderbar, weil man hier in kürzester Zeit eine immense Reichweite für wirklich wichtige Themen generieren kann. Aber leider auch nicht immer zum Positiven. Die Cancel Culture hat zu einem großen Teil mit Twitter zu tun.

Ein Grund, warum sich Isabelle lange nicht sicher darüber war, ob sie sich auf Twitter als Angehörige der Community outen sollte. Am Ende hat sie sich dagegen entschieden. Sie erzählt mir dazu nämlich:

Ich führe ja eigentlich zwei verschiedene Leben, in dem einen habe ich mich geoutet, im anderen nicht. Ironischerweise ist es bei mir genau umgekehrt wie bei vielen anderen, ich hatte also absolut kein Problem damit, mich meiner Familie und meinen Freunden im “Real Life” gegenüber zu outen. Mein Problem ist viel mehr mein Online-Leben, oder zumindest der Teil, in dem ich mich als Isabelle zu erkennen gebe. Ich habe Menschen unter meinen Followern, die schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben mit dem cis-Framing und dem Bashing gegen alle, die nicht selbst trans sind. Es ist furchtbar frustrierend und ich will nicht Teil davon sein.

Toxisch ist Twitter ja schon seit vielen Jahren. Auf Reddit hat sich zum Beispiel mal ein bisexueller Nutzer gewaltig darüber ausgelassen, dass innerhalb seines Twitter-Umfelds aus der LGBTQ+ Community ständig Heterosexuelle als schlecht verteufelt werden. Das war vor zwei Jahren. Und der Post ist auf Englisch, ist das also ein weltweites Problem? Dazu weiß Peter mehr.

Es ist ja so, dass man als Mitglied der Community auf so gut wie jeder Plattform gut aufgehoben ist. Das ist das Schöne an Social Media im Jahr 2021, kaum wo wird man so viel Toleranz begegnen als hier. Aber umgekehrt ist es ja genauso. Du wirst immer toxische Personen auf den Plattformen finden, die sich einen Spaß daraus machen, abere zu mobben. Egal, worum es geht.

Das ist natürlich auch länderübergreifend so. Demnach wird man also auch sehr viele englischsprachige Inhalte finden, besonders auf Reddit und Tumblr. Oder Seiten wie 9gag. Man vernetzt sich mit internationalen Menschen und versucht die gleichen Werte zu prägen. Aber allein hier stoßen die Leute schon innerhalb der Community auf Grenzen, ganz unabhängig von der Sprache. Egal, ob in Deutschland, Frankreich oder in den USA.

Twitter ist aber ein ganz besonders schlimmer Ort als Mitglied der Community. Ich habe als Homosexueller zum Beispiel sehr viel weniger Ablehnung auf Twitter erlebt, als zwei meiner bisexuellen Freunde.

Aber wie kann das sein, frag ich mich? Als Peter mir davon erzählt, dass seine zwei bisexuellen Freunde sehr viel Ablehnung erfahren, verwundert mich das. Meine persönlichen Erfahrungen als heterosexuelle cis Person sind nämlich bis auf wenige Ausnahmen durchweg positiv gewesen. In der Regel gab es einen sachlichen Diskurs, man konnte Missverständnisse schnell klären und ich konnte immer wieder dazulernen. Ich frage Peter, ob er eine Vermutung darüber hat. Dazu meint er folgendes:

Interessanter Weise ist es wirklich so, dass Homosexuelle im groben Twitter-Konsens auf weniger Ablehnung treffen als Hetero- oder Bisexuelle. Wer bi ist, ist nämlich in den Augen vieler plötzlich nicht mehr bi genug, wenn er dann doch mal in einer Beziehung mit einer Person des anderen Geschlechts ist.

Einer der erwähnten Freunde ist seit sieben Jahren glücklich verheiratet, hat drei Kinder und war vorher immer wieder mit Männern und auch Frauen aus. Mit seiner Frau hat es dann einfach gefunkt. Regelmäßig wird ihm nun in Diskussionen auf Twitter abgesprochen, dass er bisexuell sei, weil er keine offene Beziehung führt, um nebenher noch weiter mit Männern zu schlafen oder sie stattdessen eben einfach mit welchen zu betrügen. Regelmäßig wird er dazu von Leuten aus der Community aufgerufen. Es heißt ständig, er sei jetzt ja “von den Heten bekehrt”. Irre ist das einfach. Er überlegt schon seit ein paar Wochen, Twitter von seinem Handy zu deinstallieren. Es wäre wohl das Beste für ihn.

Aber das kann doch nicht die Lösung sein, denke ich mir. Twitter deinstallieren zu müssen, weil die Community dort so toxisch ist, obwohl man die Plattform eigentlich mag und Teil von ihr sein will. Damit bekämpft man doch im Grunde nur ein Symptom und nicht die Ursache des Problems.

Isabelle ist neben Twitter auch auf zahlreichen anderen Social Media Plattformen registriert, gibt sich aber nirgendwo zu erkennen, posted nirgendwo anders Selfies und nennt dort auch nirgendwo ihren Namen. Man könnte diese Accounts also nicht auf sie zurückführen, solange sie nicht auf Twitter von ihr verlinkt werden. Auf jedem davon hat sie sich als trans geoutet, erzählt sie mir. Weiters sagt sie:

Ich weiß, es ist ziemlich schräg, aber es kennt wirklich niemand von meinen Twitterfollowern meine anderen Accounts und ich will auch unbedingt, dass das so bleibt.

Was vollkommen verständlich ist, denn bei meinen Recherchen darüber, ob auch andere der Meinung sind, dass man sich auf Twitter nicht outen sollte, finde ich einige Personen, die das genauso machen und über schlimme Mobbingvorfälle berichten.

Eine transsexuelle Frau wurde von der eigenen Bubble nicht als Frau anerkannt, weil sie keine Hormone nehmen wollte. Übrigens aus Angst, wie schlimm das ihrem Körper zusetzen könnte. Sie wurde ständig darüber belehrt, dass sie ihre Perücken gefälligst schöner frisieren und reinigen sollte, denn keine Frau würde sich so ungepflegt geben. Worte, die sie hauptsächlich von anderen Transsexuellen ertragen musste. Sie schreibt in ihrem Erfahrungsbericht darüber, eine schlimme Depression wegen diesem Mobbing erlitten zu haben, die sie dazu brachte, Twitter den Rücken zuzukehren.

Ich nehme Kontakt zu ihr auf und frage sie, ob es ihr heute besser geht und wie man ihr ansonsten helfen könnte. Sie bedankt sich bei mir, es ginge ihr mittlerweile sehr gut und sie nimmt nun auch Hormone, nachdem sie einen Arzt gefunden hat, der sie sehr einfühlsam darüber beraten hat. Sie ist eine der vier Aussteiger, die diesen Artikel vor der Veröffentlichung durchlesen.

Isabelle kann durch ihre Präsenz auf verschiedenen Plattformen womöglich einen Vergleich ziehen. Ich frage sie danach.

Einen Vergleich kann ich nur insofern geben, dass mir auf keiner anderen Plattform so toxische Menschen begegnen, wie auf Twitter. Ist ja nicht nur bei LGBT Themen so. Man muss wirklich schauen, dass man seine Bubble clean hält und alles wegblockt und mutet, das einem Negativität in die Timeline wirft. Sonst verstärkt man damit nur mentale Probleme und das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

Die Timeline also clean halten, das ist ein sehr wertvoller Tipp. Es ist ja schließlich durch verschiedene Studien bewiesen, dass man eine schlechtere Psyche hat, wenn man immer wieder mit Negativem konfrontiert wird. Anstatt also die toxischen Leute in das eigene Leben zu lassen, lieber muten.

Was mich aber interessiert: Hat Isabelle Vergleichsmöglichkeiten von problematischen Twitteraccounts auf anderen Plattformen?

Ja, das ist schon so. Ich bekomme das ja immer mal wieder mit, wenn jemand dem ich folge in einen Streit mit einer Person aus der Community gerät. Aktiv suche ich aber nicht danach. Ich folge den Accounts auch nicht, um eben nicht den Verdacht zu erwecken, Teil der Community zu sein. Der Gedanke ist ein Alptraum für mich.

Manche Profile sehe ich mir dann schon an, allein schon aus Neugier. Das ist eben mein Problem, warum ich noch immer dort bin. Es lässt mich ja nicht los und ich würde zu gerne wissen, was da falsch läuft, dass man auf Twitter einfach so ist.

Bei einem Account bin ich so auf einem Twitchprofil gelandet. Dort werden ganz normale Spiele gestreamt und ich war ehrlich geschockt, wie freundlich derjenige war. Bei den Tweets, die derjenige so verfasst hat, so von der aggressiven Grundstimmung her, hätte ich nicht erwartet, dass so jemand viel lacht und scherzt.

Andere Male bin ich zu Instagramaccounts gelangt, wo man ganz normale Inhalte aus dem Alltag teilte und nicht groß politisch oder ethisch wurde. Und einmal bin ich sogar zu einem Tumblr Account gelangt, wo diejenige versucht hat, genauso toxisch wie auf Twitter zu sein. Ist aber nicht so gut gelaufen, diejenige hat schnell einsehen müssen, dass sie sich ihren toxischen Mist für Twitter aufheben kann. Ich kann nicht sagen, dass die Community auf Tumblr perfekt ist, das kann man natürlich über keine Plattform sagen. Aber sie haben eine Art ungeschriebenen Kodex und den finde ich bei weitem am angenehmsten.

Ich finde als Transperson aber unterm Strich Twitter generell nicht besonders wertvoll. Ich weiß auch nicht, was ich mir von der Plattform eigentlich verspreche und werde wohl nicht mehr lange dort bleiben. Die Negativität wird immer schlimmer und das tut meiner Psyche nicht gut.

So, wie es Isabelle hier beschrieben hat, habe ich es schon fast erwartet. Das deckt sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen, dass man auf keiner anderen Plattform so vielen toxischen Inhalten begegnet.

Auf Instagram will man kaum politisch werden, auf TikTok sind die Inhalte fast ein bisschen zu kurzlebig, als dass man sie so konstant auch Monate und teils Jahre später nochmal in Umlauf bringt wie auf Twitter. Und Tatsächlich sind mir auch schon Tumblr Posts untergekommen, in denen auffallenden toxischen Usern der Kopf ordentlich zurechtgerückt wurde. So etwas ist mir auf Twitter bislang noch nicht in einer solchen Konsequenz begegnet.

Und da erinnere ich mich wieder an die Nachrichten, die mich nach meinem großen Streit auf Twitter erreicht haben. Man hätte Angst, sich auf meiner Seite zu positionieren, da man unter anderem zum Teil genau jene Personen fürchten würde, mit denen ich da aneinandergeraten bin. Für diejenigen könnte das bedeuten, die gesamte Bubble zu verlieren, die den einzigen wirklichen Support für sie darstellt, weil es in ihrem realen Leben keinen Rückhalt gibt. Und so etwas ist unglaublich problematisch, sogar auf mehreren Ebenen!

Sie müssen dadurch Haltungsweisen und Aussagen tolerieren, hinter denen sie nicht stehen, was sich wiederum schlecht auf ihre Psyche auswirkt und nachhaltige Folgen haben kann. Depressionen oder Angststörungen sind dabei keine Seltenheit. Gleichzeitig fühlen sich durch diesen stillen Rückhalt wiederum die toxischen Problemquellen bestärkt, weil ihnen ja nicht widersprochen wird. Es geht immer so weiter, die anderen werden immer stärker abgeschnitten, die Gräben zwischen “denen und uns” immer tiefer gezogen. Teils sogar innerhalb der Community, wie wir zuvor von Peter erfahren haben.

Und ich habe gesehen, wie diese Strukturen funktionieren: Eine Person ist besonders laut und prangert andere an, sofort eilen zahlreiche weitere zur Hilfe, liken, kommentieren, verteidigen und mobben, was das Zeug hält. Mich haben nach meinem persönlichen Eklat mehrere besorgte Personen gefragt, ob alles okay sei und wie ich sowas nur aushalten könne. Es war also auch für Außenstehende ersichtlich, dass das Ganze heftige Züge angenommen hat, die man unter Umständen nicht ohne weiteres verkraftet. Kein Wunder also, dass die Leute fürchten, so etwas gegen sich gerichtet zu haben, wenn sie danach dann niemanden mehr haben. Zumindest glauben sie das.

Kathrin ist schon zehn Jahre auf der Plattform und hat daher so einigen Wandel mitgemacht. Sie hat sich vor ein paar Jahren als transsexuell geoutet (sie möchte nicht, dass ich eine genaue Zahl nenne, da sie einige tausend Follower auf Twitter hat und verständlicherweise nicht erkannt werden will) und daher ihren gesamten Geschlechtsumwandlungsprozess auch auf Twitter durchlebt hat. Dadurch hat sich ihre komplette Bubble verändert: Sie wurde toxischer.

Da ich “die Neue” war, wurde ich auf Twitter in deren Augen sehr liebevoll aufgenommen. Schon davor war ich in anderen sozialen Medien sehr aktiv, was das Thema angeht, daher fand ich es zunächst eher seltsam, wie man mich hier direkt an die Hand genommen hat. Wo man hinsieht, findet man Tipps, nach denen keiner gefragt hat. Und das ist auf Twitter ja generell etwas, dem man häufig begegnet. Nur ist es viel schlimmer geworden, als ich auch hier in die LGBTQIA Community gekommen bin und mich als Teil davon geoutet habe.

Ohne dass ich danach gefragt habe, wurden mir Informationen zur Medikationen meiner Hormone gegeben. Mir wurden ungefragt und ohne jeglichen vorherigen Kontext Ärzte empfohlen, um mir den Penis entfernen zu lassen, mir wurden Schmuckstücke empfohlen, die meine Weiblichkeit bündeln sollen und mehr als einmal wurde ich gefragt, ob ich mich einem Treffen anschließen möchte, da ich ja bestimmt keine Freunde hätte. Man ging also grundsätzlich davon aus, dass mein direktes cisgeschlechtliches Umfeld absolut ablehnend und feindlich mir gegenüber wäre. Was zu keinem Zeitpunkt der Fall war, ganz im Gegenteil.

Und das ist keine überspitzte Beschreibung. Ich kenne auch zahlreiche Personen, denen es ähnlich gegangen ist. Die LGBTQIA Community auf Twitter ist die übergriffigste, die mir je begegnet ist.

Leider beschränkt sich diese Übergriffigkeit nicht nur auf die eigene Person. Das habe ich selbst ja am eigenen Leib erfahren, direkt gepaart mit einer unschlagbaren Doppelmoral.

Mir wurde vorgeworfen, ich würde mich selbst in eine Opferrolle stellen und die Deutungshoheit behalten wollen, weil ich auf ein diskriminierendes Framing von cisgeschlechtlichen Menschen hingewiesen habe. Eine klassische Vorgehensweise, wie Kathrin mir verraten hat. Durch diesen Vorfall hat sie nämlich den Kontakt zu mir gesucht und mich auf die Idee zu diesem Artikel gebracht. Ihr zufolge ist es nämlich so:

Auf Twitter hat sich über die letzten Jahre großflächig die Denkweise eingeschlichen, dass eine heterosexuelle Person automatisch homophob und eine cisgeschlechtliche Person automatisch transphob ist. Wer behauptet, ein Ally zu sein, tut das auf Basis reiner Unerfahrenheit und wird sich sowieso irgendwann davon abwenden. Überhaupt ist ein Allyship mit der Community nur ein Mittel, um sich positiver darzustellen als man wirklich ist.

Ich lasse mir diese Anschauung durch den Kopf gehen und scrolle durch zahlreiche Twitter-Profile von Leuten aus der LGBTQ+ Community. Wo ich da zu suchen beginne, ist für mich klar: Die Person, mit der ich zuletzt den Eklat hatte. Und von dort aus klicke ich mich durch die Follower.

Erschreckender Weise dauert es nicht lange, bis ich fündig werde und erste Beispiele finde.

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Darunter befinden sich Kommentare, die cisgeschlechtliche Personen verallgemeinernd verurteilen. Einer davon lautet: “dass denen das halt auch absolut nicht weird vorkommt, das die die Genitalien von jeder Person wissen wollen”

Das zeigt, wie gut diese Spaltung zwischen “uns und denen” tatsächlich funktioniert.

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Das zu lesen fühlt sich für mich als Außenstehende so an: “Keine Sorge, ist nur ein Bashing gegen cis Männer, nicht gegen Trans Leute! Haha!”

Und generell scheint es mir bei meiner Recherche, als kämen cisgeschlechtliche Männer am schlechtesten bei dem ganzen Bashing weg. Vor allem ist mir die Triggerwarnung “TW Cis White Man” oft untergekommen.

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Ich wüsste generell nicht, was außer bewusst rassistischem Männerhass eine Triggerwarnung über weiße cisgeschlechtliche Männer rechtfertigen würde. Aber an diesem einen Tweet alleine ist schon so vieles falsch.

Es wird die negative Erfahrung mit einer Person beschrieben, die zufällig ein weißer cisgeschlechtlicher Mann war. Warum muss man da die Triggerwarnung so framen und deklariert es nicht als zum Beispiel Toxic, Hass oder Menschenfeindlichkeit? In der gewählten Form befeuert es aber unter anderem das Narrativ, dass das “typisch für die weiße Herrenrasse” sei, wie es mir in genau dieser Formulierung erschreckend oft begegnet ist, ohne dass betreffende Personen sehen wollen, dass es “sie” sind, von denen die Gräben tiefer gezogen werden, und nicht “wir”. Hier geht es um einzelne, problematische Individuen. Dafür darf man nicht eine ganze Gruppe von Menschen zum Feindbild machen. Ansonsten wird es nie ein Miteinander geben.

Die etlichen weiteren Tweets, die mir mit genau so einer Triggerwarnung unterkommen, sind nicht anders.

Einmal fand ich sogar die Triggerwarnung “CN Cis-Sexismus Othering”, bevor eine negative Situation geschildert wurde. Erneut ein bewusstes Framing also, das die ganze nachfolgende Thematik so in Szene setzt, als könnte das gleich geschilderte Problem nur von cisgeschlechtlichen Menschen ausgehend auftreten.

Kathrin zeige ich diese Beispiele und sie ist nicht verwundert darüber.

Cis ist auf Twitter mittlerweile ein Synonym für Leute geworden, die sich in irgendeiner Weise antisolidarisch outen. Das wirklich große Problem daran ist, dass es bereits beginnt, von Twitter aus auf andere Social Media Plattformen überzuschwappen. Es braucht also schnell eine Veränderung, ansonsten haben wir diese toxische Haltung überall und das wird der Community stärker schaden als wir uns jetzt bewusst sind.

Der Sinn unserer Bewegung ist ja eigentlich, einander zu akzeptieren und zu lieben. Wenn jemand Außenstehendes aber seine Meinung äußert, wird er häufig angegriffen, egal ob er sie respektvoll geäußert hat oder nicht.

Ich frage mich, ob denn an dieser Stelle schon jede Hoffnung verloren ist, die LGBTQ+ Community auf Twitter zu retten und wieder zu einem Miteinander zurückzufinden, anstatt ständig gegeneinander mit Abgrenzungen aufzuwarten. Ich gebe in der Twitter-Suche die Begriffe “cis” und “transphob” ein und scrolle mich durch diverse Tweets. Bin dabei nicht überrascht, auch auf einige von Personen zu stoßen, die nach dem großen Eklat meine Tweets geflutet und mich in Diskussionen verwickelt haben. Im Nachhinein frustriert es mich, dass Personen, von denen ich das Gefühl hatte, dass man mir gegenüber objektiv sei, von vornherein keine für mich guten Intentionen hatten.

Eine Person, mit der ich lange geschrieben habe und die schließlich beleidigend wurde, als die Argumente ausgingen, schreibt davon, dass weiße cis Frauen Feminismus ziemlich unreflektiert handhaben.

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Erneut eine Verallgemeinerung, denn es ist die Rede von weißen cis Frauen. Nicht manchen, nicht einigen, sondern weißen cis Frauen. Allen also. Und das ist diskriminierend.

Ich kann mir denken, wie es enden würde, wenn ich hierzu ein Gegenargument bringen würde. Ich stelle mich dann angeblich in eine Opferrolle, weil sich “meine fragile weiße Cisgeschlechtlichkeit davon angegriffen fühlt”, dass Menschen, deren Gruppe ich nunmal angehöre, Feminismus unreflektiert handhaben. Dass ich in dem Moment aber tatsächlich Opfer einer Diskriminierung bin, da ich Feminismus eben ganz im Gegenteil sehr reflektiert und inklusiv handhabe, ist egal. Denn hier kommt der Knackpunkt: Ich kann als privilegierte Person, die einer Mehrheit angehört, gar nicht diskriminiert werden. Das ist die Logik dieser Personen. So rechtfertigen sie die eigene Diskriminierung anderer.

Ein Ally hat sich gefälligst beleidigen, denunzieren und diskriminieren zu lassen, muss das kritiklos hinnehmen und darf nicht dagegen argumentieren. Ansonsten stellt man sich ungerechtfertigt in die Opferrolle und begeht Tone Policing.

Wer auf ein Framing hinweist, ignoriert damit aber nicht das dargebrachte Argument, sondern zeigt auf, dass es in der Form keinen Bestand hat! Ein Argument zu ignorieren wäre es aber, was Tone Policing überhaupt ausmacht. Genau genommen ist das eigentliche Strohmannargument in dieser Sache also die ablehnende Haltung gegenüber der Kritik, dass man ohne eine solch verallgemeinernde Diskriminierung sachlich über die Dinge sprechen will und muss.

Ein Beispiel hierzu: Im Kampf um mehr Tierwohl in der Landwirtschaft heißt es, alle Bauern wären Tierquäler. Biobauern, die ihre Tiere in Freilandhaltung und mit sehr viel Platz und ausschließlich hochwertigem Futter halten, wehren sich dagegen, ebenfalls von dieser haltlos verallgemeinerten Kritik betroffen zu sein, da diese auch ihren Ruf schädigt. Sie stehen gleichzeitig hinter der Kritik gegen betroffene Bauern, die wirklich Tierquälerei begehen. Ihnen wird Tone Policing vorgeworfen, weil sie nicht als Tierquäler bezeichnet werden wollen.

Ehrlich gesagt ist es nicht verwunderlich, dass das von Außenstehenden häufig auf Ablehnung trifft. Damit schadet man der Community stärker, als dass man für Akzeptanz sorgt. Und daher muss sich auch auf Twitter unbedingt etwas ändern.

So sehen das aber nicht nur ich, Kathrin, Isabelle und Peter. Ich habe eine Unterhaltung gefunden:

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Über 500 Likes für einen Tweet, der als Meinungsmache gegen cis People fungiert. Und ich erkenne eines: Dieser Nutzer betreibt gezielte Propaganda.

Betrieben wird hier eine systematische Verbreitung der eigenen Ideen und Meinungen, mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein innerhalb der Community in einer bestimmten Weise zu beeinflussen. Die Follower werden regelrecht dazu indoktriniert, cisgeschlechtliche Menschen zu hassen.

Dass das funktioniert, durfte ich am eigenen Leib erfahren. Falls du den Artikel über den Twitter Eklat nicht gelesen hast, habe ich hier eine Kurzfassung für dich. Falls du ihn kennst, dann überspring einfach die nachfolgende farbige Box.

Mir schrieb unter anderem eine weibliche cis Person, dass meine Reaktion (cis-feindliches Framing zu kritisieren) äußerst unangemessen und peinlich sei. Man ging keinen Moment lang auf meine Kritik ein und stellte mich von Beginn bis zum Ende hin, als hätte ich mich generell darüber echauffiert, dass da soeben cis-Personen kritisiert wurden und das eigentliche Argument (die falsche Nutzung von Sternchen beim Gendern) nicht verstanden.

Ich wurde als transphob dargestellt, weil ich als cisgeschlechtliche Person kritisiert habe, dass ein cis-feindliches Framing nicht sein muss und nicht zielführend sein wird. Mir wurden Nachrichten zugesendet, dass ich an meiner Transfeindlichkeit verrecken soll und gleichzeitig wurde mir abgesprochen, dass mich jemand transfeindlich genannt habe. Ich wurde unter anderem auch als “scheiß Cisse” beschimpft und niemand kann mir auch nur ein stichfestes Argument liefern, dass das in dem Kontext nicht als Beleidigung gemeint war.

Wenn du mein Statement zu diesem Twitter-Streit nach dieser Beschreibung nun doch oder vielleicht auch ein weiteres Mal lesen willst, findest du es hier.

Der Nutzer aus dem Twittereklat unterlässt es seither nicht, etliche meiner Tweets völlig aus dem Kontext zu reißen (selbst solche, die gar nicht an diese eine Person oder die Diskussion mit ihr gerichtet sind oder mit etwas völlig anderem zu tun haben) und einfach Meinung gegen mich zu machen, um das gesetzte transfeindliche Narrativ über meine Person zu bekräftigen. Mich erreichen Hinweise darauf und ich sehe es mir auf dem Profil der Person selbst an, da ich gerade mitten in meinen Recherchen zu genau solchen Dingen stecke.

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Besagter Tag, in meinen hier zitierten Tweets “gestern”, war der vergangene Samstag und twitter-technisch ein sehr produktiver Tag für mich. Ich habe an diesem mehrere hundert Tweets und Nachrichten mit Menschen zu allen möglichen Themen ausgetauscht. Womöglich sogar tausend. Es hat sich viel ereignet, ich habe interessante Kontakte geknüpft und ich habe viele verschiedene Diskussionen an allen Ecken geführt. Teils auch mehrfach, so eben wie häufig zu LGBTQ+ Themen.

Diese Tweets bezogen sich auf mehrere Unterhaltungen:

  • Ich verteidigte in einem privaten Gruppenchat eine sexistisch diskriminierte nonbinary Person und bekam automatisch mehr Gehör von Seiten des weiblichen Lagers, da ich “zu ihnen gehöre”, obwohl ich mich davor nicht direkt dazu geäußert hatte, selbst genauso cis zu sein.
  • Ich führte mehrere öffentliche Diskussionen über einen Zwischenfall bezüglich einer Demo in Wien, in der das “weiße cis Menschen” Narrativ immer wieder mir gegenüber genannt wurde, auch mit Bezug auf meine Person, ohne dass man davor mit Sicherheit gewusst haben könnte, ob ich cis bin. Auch Personen aus der LGBTQ+ Community waren darunter, auf deren Profil ich mehrfach die berechtigte Kritik entdeckt habe, dass jemand mit “Du bist Transgender oder?” direkt diskriminiert wurde.
  • Ich führte aufgrund einzelner Tweets aus diesem Thread Diskussionen mit Personen aus meiner eigenen Bubble, die mir das im Nachhinein sogar noch bestätigt haben, dass sie da tatsächlich etwas voreilig waren, mich direkt als cis einzusortieren und sie den Tweet nicht kannten, in dem ich dies erwähnte.

Zahlreiche weitere mich anprangernde Tweets folgen auf dem Profil, wenn ich weiterscrolle. Es geht um eine Erklärung von mir zum Thema Framing, oder auch um einen Tweet zum Thema (Selbst-)Reflektion. Beides hat nicht ausschließlich mit LGBTQ+ zu tun, da ich mich eben in vielen Sparten offen äußere. Die Tweets sind daher von mir auch dementsprechend neutral und ohne direkten Bezug zu einem Thema verfasst. Bezeichnet wird es als Comedy. Das hat nichts mehr mit unserem Twittereklat zu tun, das ist ein persönlicher Rachefeldzug, der in Cyberbullying und Rufschädigung ausgeartet ist.

Mir fällt jedoch im obigen Bild der Tweet von mir auf, der homosexuelle Menschen inkludiert, da mir häufig Bashing gegen nicht nur cisgeschlechtliche, sondern auch homosexuelle Personen auffällt. Es erinnert mich daran, von welcher Erfahrung mir Peter erzählt hat:

Ich selbst bekam auf Twitter von Transsexuellen schon mehrfach den Mund verboten.

Ich wüsste nicht, wie es sei, sich im eigenen Geschlecht “nicht richtig” zu fühlen und solle deshalb gefälligst aufhören, als würde ich wissen, wie man die Gender-Sternchen zu verwenden hat. Auf wen es selbst nicht zutrifft, der wird sich selbstverständlich nicht die Mühe machen, wie es eigentlich geschrieben gehört, so heißt es dann. Dass innerhalb der Community selbst kein Konsens darüber herrscht, ist dabei ganz egal. Eine Zeit lang wurde ich sogar von einer Person andauernd deshalb als “scheiß transphobe Schwuchtel” beleidigt. Ich habe daraufhin aufgehört, zu gendern, weil ich es niemandem recht machen konnte. Deshalb wurde ich von der Person erst recht als transphob beschimpft. Ich habe diesen Menschen mittlerweile blockiert.

Am schlimmsten wird es, wenn man sich ohne böse Absicht verschreibt und dann zum Beispiel nicht Autor*innen sondern Autorin*nen benutzt. Es reicht nicht, guten Willen zu zeigen, man wird regelrecht gedrillt. Mir als Legastheniker passiert aber so ein Fehler schonmal. Das ist nicht, was in meinen Augen Kriterium für ein Allyship sein sollte.

Ein paar Allies, die Alternativen dazu verwenden, etwa AutorIn, Autor|in, Autor:in oder auch Autor_in werden behandelt, als würden sie absichtlich keine Sternchen verwenden, um Leute aus der Community zu triggern. Ihnen ginge es nur darum, für Unruhe zu stiften und sie sind angeblich gar keine richtigen Allies, sondern nur in unsere Reihen eingeschleuste transphobe Menschen.

Es nimmt Auswüchse an, die ich so nur von Querdenkern kenne. Ohne irgendwelche Beweise werden Behauptungen aufgestellt, die man dann immer so verdreht, damit sie wieder dazu passen, die Leute als nicht supportive darzustellen. Man will am liebsten unter sich bleiben, aber keiner hat den Mut, es offenkundig zu sagen. Und der Rest, der genau das nicht will, hat nicht den Mut, sich dagegen aufzulehnen.

Da ist es also wieder, dieses übergriffige Verhalten, das vorhin auch Kathrin beschrieben hat.

Ich scrolle weiter durch Twitter, auf der Suche danach, ob es einen Diskurs darüber gibt, dass man Cis als Begriff nicht als so verallgemeinertes und feindliches Framing verwenden darf. Mehrfach werde ich fündig. Mehrfach sind darin Personen verwickelt, die mir schon bekannt sind.

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Der Ausgang ist immer ähnlich: Man ist so festgefahren in die eigene Meinung, dass man sie den anderen lediglich aufdrängen will. Ein Diskurs ist also nicht gewünscht. Und ständig sind irgendwelche Leute zur Stelle, die danach beleidigend werden oder im Schlusswort eben dieses “also doch”-Narrativ mitschwingen lassen. Es ist ein Teufelskreis.

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Und an der Stelle will ich festhalten, dass der genutzte Vergleich zwischen Männern und Bakterien unglaublich widerlich ist und es bezeichnend für den Unwillen zum Diskurs ist, dass man immer gleich mit “not all cis” oder “not all men” als belächelnden Abschluss kommt, sobald man ein diskriminierendes Framing als gezieltes Bashing entlarvt.

In vielen Fällen gibt es auch gar keine Antwort mehr, dann ignoriert man einfach jedes Argument und ghosted die Diskussion.

Die Screenshots habe ich an der Stelle Isabelle gezeigt und sie um ihre Meinung gebeten. Das hat sie mir geschrieben:

Das bestätigt den Eindruck, den ich auch selbst von der Community auf Twitter habe. Du hast dich einzufügen, sonst gehörst du zu “denen” und das sind automatisch immer unsere Gegner. Nehmen wir als Beispiel eine transsexuelle Frau, die ein Selfie posted. Wie das manchmal so ist, bekommt man auf Twitter dann ungefragt die Meinung anderer. Schreibt nun eine cis Frau, dass ihr die Farbe vom Kleid nicht gefallen würde, gilt sie, wenn sie Pech halt, direkt als transfeindlich. Je nachdem, wer ihr die eigene Meinung negativ auslegt, verdreht ihre Worte so, dass sie damit behauptet hätte, dieses Kleid würde einem Mann nicht stehen.

Da Isabelle das so detailliert beschreibt, habe ich die Vermutung, dass sie genau so einen Vorfall bezeugt hat. Ich frage sie danach und sie bestätigt mir dies.

Ja, das ist wirklich so passiert. Im Nachhinein bereue ich es, mich nicht dazu geäußert zu haben, denn die Person hat bis heute kein Selfie mehr geposted. Sie fühlte sich davon so schlecht und war völlig unbegründet der Meinung, dass die cis Frau transphob sei. Manchmal habe ich das Gefühl, dass solche Situationen bewusst provoziert werden, um die Leute eben zu bekehren und ihnen zu zeigen: “Schau, sie sind ALLE feindlich uns gegenüber, das dürfen wir nicht länger akzeptieren.”

So eine radikale Vorgehensweise von manchen Twitternutzern hatte ich ehrlich nicht erwartet, als ich an diesem Artikel zu arbeiten begonnen habe.

Es ist ja tatsächlich so, dass man ungewollt eine zum Beispiel transphobe Äußerung machen kann. Beispielsweise, wenn man zu einer transsexuellen Frau sagt, dass sie gut aussieht, da man ihren Bart kaum sehen würde, ohne dass diese zuvor danach gefragt hat, ob da etwas zu sehen wäre. Das ist unglaublich übergriffig, macht die Person aber nicht zwangsläufig transphob. Nur, wer sich darüber bewusst ist, dass er gerade transphob gehandelt hat und es absichtlich weiterhin tut, ist wirklich transphob. Aber um hier Aufklärung zu schaffen bräuchte es einen sachlichen und respektvollen Diskurs auf beiden Seiten.

Ich kann an der Stelle natürlich nur von mir sprechen, aber ich würde mir von einer cis-feindlichen Person, die verallgemeinert und mich mit all den transfeindlichen Personen in einen Topf wirft, garantiert nichts sagen lassen. Egal, um was es geht. Da bin ich nicht transphob, da halte ich lediglich an meinen Werten fest. Wer von mir mit Respekt behandelt werden will, muss mir selbigen genauso entgegenbringen.

Aber wenn es offensichtlich nicht mit Respekt funktioniert, wie dann? Dass man eine so festgefahrene Meinung nicht ändern können wird, liegt auf der Hand. Was kann man aber tun, um die LGBTQ+ Community auf Twitter weniger toxisch zu machen? Ich habe diese Frage Kathrin gestellt. Das war ihre Antwort:

Zunächst wäre meiner Meinung nach wichtig, dass ein größeres Bewusstsein innerhalb der Community dafür geschaffen wird, was da gerade vor sich geht. Es darf nicht länger zum guten Ton gehören, dass man bestimmte Menschen für alles verantwortlich macht und sie als Feindbild sieht. Wir befinden uns mittlerweile auf Twitter in einer so verdrehten Welt, dass zu viele Personen der LGBTQIA Community Akzeptanz verlangen, während sie jeden anderen im selben Moment zu unterdrücken versuchen, selbst innerhalb. Dieses Verhalten weiterhin gemeinschaftlich zu akzeptieren macht uns nicht besser als jene Menschenfeinde, die wir eigentlich alle gemeinsam verurteilen sollten. Aber kaum einer traut sich den ersten Schritt zu machen.

Das wohl größte Problem an der Sache ist, dass wir durch so etwas dafür sorgen, dass wir an Unterstützung verlieren. Diese Leute auf Twitter, die sich so toxisch verhalten, kämpfen im Herzen ja für eine gute Sache. Aber sie sind blind für ihre Fehler, weil sie vom Kämpfen so müde sind. Das sind aber Probleme, die sie mit sich selbst ausmachen müssen und für die sie nicht die ganze restliche Welt verantwortlich machen dürfen. Nur kann es ihnen keiner sagen, weil sie sowieso nicht zuhören würden. Es gibt Menschen in der Community, die Angst haben, dass sie durch solche Leute ihre hart erkämpften wenigen Privilegien verlieren könnten.

Eine ähnliche Sache, über die auch Peter besorgt ist, denn er hat mir folgendes geschrieben:

Ich kann nicht eine grundlegende Gleichbehandlung fordern, wenn ich selbst nicht dazu bereit bin. Bei vielen Leuten habe ich das Gefühl, dass sie es regelrecht genießen, jetzt auch mal endlich jemanden diskriminieren zu können und das fühlt sich völlig falsch an. Das ist nicht einmal mehr mit Worten zu beschreiben. Immer mehr Leute steigen aus der Community aus, weil sie nicht Teil von etwas so Toxischem sein wollen und weil sie der Welt zeigen wollen, dass nicht alle so sind. So verlieren wir aber an Reichweite, denn Twitter ist nunmal im Moment eine der wichtigsten Plattformen, wenn nicht sogar die wichtigste, um schnell relevante Inhalte und Informationen zu verbreiten. Und wie sollen wir am Ende ein Miteinander mit allen Personen außerhalb der eigenen Community erreichen, wenn es das nicht einmal innerhalb gibt?

Auf Reddit habe ich sogar Gruppen von diesen “Aussteigern” gefunden, die sich seit Jahren darüber auslassen, wie toxisch die Community nicht auf Twitter sei. Vieles, was mir Kathrin, Peter und Isabelle beschrieben haben, lese ich dort in vielfacher Ausführung. Und man ist auf ganzer Linie ratlos, was man tun kann, um das zu ändern.

Eine Sache steht allerdings fest: Die LGBTQ+ Community auf Twitter muss in Zukunft ein besserer Ort werden.

  • Menschen haben aktuell Angst, ihre Meinung zu äußern, weil sie befürchten, gemobbt zu werden und danach niemanden mehr zu haben. Für viele ist Twitter aber der einzige Rückzugsort, da das Umfeld im Real Life keine oder nicht genug Akzeptanz bietet. Dieser toxische Teufelskreis muss ein Ende haben.
  • Auch müssen wir den Menschen gemeinsam die Angst nehmen, dass sie hart erkämpfte Privilegien verlieren, weil es einzelne problematische Individuen in ihren Reihen gibt.
  • Wenn wir ein Bewusstsein dafür schaffen, wie toxisch die Community mittlerweile auf Twitter ist, können wir damit zahlreichen Personen die Augen öffnen.
  • Außerdem können wir so dafür sorgen, dass den problematischen Individuen Einhalt geboten wird und sie nicht länger die Reputation einer Community schädigen können, die ohnehin in der breiten Gesellschaft schon stark genug benachteiligt ist.
  • Es darf nicht länger eine “wir und die” Einstellung auf Twitter geben, wir müssen wieder zum Miteinander zurückfinden, das gilt auch innerhalb der Community!

Wie können wir das bewerkstelligen?

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