Warum machdudas.de problematisch ist

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Die Seite machdudas.de macht mich einfach irre. Tatsächlich hat sie maßgeblich dazu beigetragen, warum ich heute jegliche Dienstleistung für andere zu 100 % in Vorauskasse berechne, selbst wenn es um einen hohen vierstelligen Betrag geht. Diese Webseite hat mich auf beruflich-mentaler Ebene unheimlich geschädigt, weil mir dort einfach durchgehend die Abgründe der Texterbranche begegnet sind.

Für wen Seiten wie Textbroker oder die Texterjobbörse ausgelutscht sind, der versucht sein Glück eben bei machdudas und engagiert Leute, die es nicht besser wissen, für ganz wenig Geld. Und wer dann doch mal einen höheren Preis hat und den aufgrund der guten Bewertungen durchboxt (so wie ich), wird einfach beschissen. It’s simple as that.

So gut wie jeder Auftrag, den ich über die Plattform erhalten habe, musste im Anschluss nach mehreren Mahnungen zum Inkasso gehen. Unglaublich lustig, wenn man einen Großteil seiner Zeit damit zugebracht hat, Texte zu schreiben, nur um dann diese Arbeitszeit über Monate hinweg nicht bezahlt zu bekommen. In vielen Fällen war es dann sogar so, dass meine Rechtsschutzversicherung mir ungefähr die Hälfte des ausstehenden Beitrags angeboten hat, um die Sache fallenzulassen, weil die Erfolgschancen der gerichtlichen Durchsetzung einfach so gering waren. Noch dazu kommen, grade bei länderübergreifenden Fällen, ja dann noch einige Zusatzkosten hinzu, die bis zum Selbstbehalt auch ich tragen muss.

Absolut rätselhaft, warum ich nicht mehr für Dritte schreiben will, oder? 011

Aber was ist machdudas überhaupt?

machdudas ist lediglich eine Plattform, die Auftraggeber und Auftragnehmer zusammenbringt. Darum können sie sich ja auch so schön aus der Schlinge ziehen, wenn ihre Mitglieder beschissen werden – und das, obwohl man sogar bezahlen muss, um sich auf der Plattform jede Woche für mehr als einen Job bewerben zu können. Wer machdudas also beruflich nutzen will, kommt gar nicht umhin, einen ziemlichen Batzen Geld einzukalkulieren. Ein bitteres Los, wenn man es dann durch unterschlagenes Honorar sowieso schon rote Zahlen durch Aufträge von dort schreibt.

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Trotz allem regeln sie diese Angelegenheit in ihren AGB und denen stimmt man bei der Buchung dieser Bewerbungspakete ja zu. Ich darf zitieren:

mdd haftet in keiner Weise für das Zustandekommen, den Inhalt und die Erfüllung der von den Nutzern über das Internetportal vermittelten Aufträge.

Betritt man die Plattform erstmalig, erhält man aber einen ganz anderen Eindruck. Im Header der Seite werden nämlich Minijobs angepriesen, die man ja einfach mal nebenbei erledigen könnte, weil man etwas Taschengeld will.

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Aus dem Günther mit grünem Daumen, der Kinder mögenden Diana und dem gern schraubenden Ben werden aber schnell Mal Leute, die illegale Amazon Produktrezensionen verfassen. Weil sie dafür nämlich bezahlt werden. Und hiermit sind wir auch beim Kernthema dieses Artikels angelangt.

Auf machdudas kann man als Auftraggeber wirklich jede Art von Job einstellen. Manchmal sind wirklich solche Kleinigkeiten dabei, dass gerade jemand wen sucht, der eine Keywordmelodie umschreibt oder der auch mal ein Fotobuch erstellt. Hauptsächlich sind aber zwei Arten von Jobs zu finden:

  • Texterstellung
  • Online Marketing Dienstleistungen

Gelegentlich ist auch Affiliate- oder Network Marketing Gedöns dabei, manchmal mehr schlecht als recht und daher auch nochmal für sich genommen recht gefährlich. Das kann unerfahrene Leute sehr schnell sehr viel Geld kosten.

Du erinnerst dich übrigens an den soeben zitierten Abschnitt aus den AGB? Auch hiervon zieht sich machdudas aus der Schlinge. Inwieweit das dann noch rechtlich Hand und Fuß haben kann, wenn ja eigentlich von Gesetzes wegen geklärt ist, welche Dinge nicht sein dürfen und diese ganz offen über die Plattform gefordert werden, bleibt natürlich fraglich und müsste dann wohl ein Richter entscheiden.

Dass das Kaufen von Produktrezensionen nämlich nicht nur gegen z.B. die von Amazon festgelegten Richtlinien, sondern auch gegen geltendes Gesetz verstößt, steht außer Frage. Das ist unlauterer Wettbewerb. So sagen es § 5 Abs. 1 Nr. 1 UWG, sowie auch § 3 UWG, aus dem ich kurz Nr. 2 zitiere:

Geschäftliche Handlungen, die sich an Verbraucher richten oder diese erreichen, sind unlauter, wenn sie nicht der unternehmerischen Sorgfalt entsprechen und dazu geeignet sind, das wirtschaftliche Verhalten des Verbrauchers wesentlich zu beeinflussen.

Und zwar immer dann, wenn derjenige, der die Rezension verfasst, nicht frei darüber entscheiden darf, was genau er schreibt und er damit auch seine ehrliche Meinung nicht kundtun darf. Wird ihm also vorgegeben, in welchem Sternebereich sich seine Bewertung befinden muss oder was er in etwa schreiben soll, macht sich derjenige damit strafbar. Und natürlich auch das Unternehmen, das dies in Auftrag gibt.

Und dann gibt es noch Leute, die gezielt negative Bewertungen beauftragen (oder anbieten), um dem Mitbewerb zu schaden. Hierbei verstößt man dann gegen § 4 UWG.

Zwei gute Videos zu dem Thema

Ultralativ schneidet es nur kurz an, zusammen mit ein paar anderen Sachen (die im Übrigen auch auf machdudas zutreffen, Texterstellung und so) und Marktcheck SWR hat mit einem WhatsApp Gruppenchat zu tun, in dem solche Fakebewertungen vermittelt werden.

Wie oft werden Fakebewertungen über machdudas akquiriert?

Ständig. Und zwar wirklich. Ständig. Ich habe nur jetzt, während ich den Artikel hier schreibe, durch die aktuellen Angebote gescrollt und folgende zehn Aufträge gefunden:

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Zehn Aufträge, von denen…

  • in 2 direkt dazu aufgefordert wird, eine 5-Sterne-Bewertung zu hinterlassen – inklusive „entsprechendem, authentischen“ oder „positiven Text“
  • in 1 geschrieben wird, dass man die Bücher unabhängig von der Bewertung „gerne auch lesen“ darf
  • in 1 geschrieben wird, dass eine sinnvolle Bewertung geschrieben werden soll, die andere Eltern/Großeltern animiert, das buch zu kaufen

Und das schon direkt im Auftragsinserat. Was bei den übriggebliebenen in der anschließenden Kommunikation verlangt wird, ist an der Stelle für die Öffentlichkeit natürlich nicht greifbar.

Und für die sich bis jetzt zwischen 1 und 29 Bewerber gefunden haben. Die meisten für das Inserat, das gleich 10 € pro Produktbewergung anbietet. Und das ist ziemlich manipulativ verfasst. Man erhält Bilder oder einen Produktlink per Mail und wenn man die Sache möchte, gibt man nach Erhalt der Ware Feedback ab. Wer würde an der Stelle negativ bewerten? (Ich wüsste zu gerne, ob derjenige dann nochmal was erhält, wenn er negativ bewertet oder ob die Sache dann nicht sogar zurückgefordert wird!)

Da Aufträge auf machdudas nach eigenen Angaben 30 Tage aktiv bleibe, habe ich hier gerade zehn Jobangebote aus einem Zeitraum von rund einem Monat rausgesucht. Ich musste dazu lediglich bis auf Seite 15 durchklicken.

Mein Fazit zu der ganzen Sache

Machdudas ist natürlich nicht die einzige Plattform, die daran beteiligt ist, dass solcher Wettbewerbsbetrug nach wie vor geschehen kann. Und sie sind eines von vielen Zahnrädchen in einer riesengroßen Kette.

Ganz im Stil der „kauf dir deine Follower“ Denkweise für Social Media Accounts (was im Übrigen gegen dieselben Gesetze verstößt, wenn man als Influencer mit seinen Social Media Accounts Geld verdient und dazu durch solche Angebote mal schnell die Zahlen fälsch) gibt es Seiten wie Fivestar. Für rund 1.000 € erhält der Amazonhändler ganze 50 Fünf-Sterne-Bewertungen.

Nur braucht es dafür eben verifizierte Amazonaccounts, die dann dafür sorgen, dass das Ganze umgesetzt werden kann. Die 50 Bewertungen sollen schließlich nicht vom selben Account stammen. Nun lass uns mal überlegen, wie man so etwas am einfachsten hinbekommt… doch nicht etwa durch Inserate auf machdudas, WhatsApp Gruppen und ähnliche Vorgehensweisen?!

 


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