Als Autorin probiert man vieles aus – vor allem, wenn es um Marketing und Sichtbarkeit geht. Manche Dinge funktionieren wunderbar, andere weniger.
In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass ich mich von ein paar Gewohnheiten und Strategien bewusst verabschieden möchte. Nicht, weil sie grundsätzlich schlecht wären, sondern weil sie sich für mich persönlich einfach nicht mehr gut anfühlen.
Einige Dinge, die früher wichtig und sinnvoll schienen, rauben mir inzwischen nur noch Energie oder wirken nicht mehr authentisch. Deshalb habe ich beschlossen, sie in Zukunft anders zu machen – oder ganz wegzulassen. Hier sind die wichtigsten davon:
Keine laufenden Progress Updates mehr
Bestimmt über ein Jahr lang habe ich meine Leser ständig auf die Entstehungsreisen von Büchern mitgenommen, indem ich aktuelle Projekte direkt angekündigt und regelmäßig Updates gegeben habe, wie weit die in etwa sind. Weil der Instagram-Algorithmus und ich im Moment nicht die besten Freunde sind, habe ich damit aufgehört – und bin so unglaublich froh darüber.
Ich bin produktiver als je zuvor und habe wieder richtig viel Spaß am Schreiben – was ich, ehrlich gesagt, kaum für möglich gehalten hätte. Eigentlich stehe ich ohnehin jeden Tag mit diesem wunderschönen Kribbeln im Bauch auf, weil ich gespannt bin, welche Charaktere ich heute zum Leben erwecken darf. Aber seit ich keine ständigen Updates mehr gebe, ist alles nochmal schöner geworden, und ich liebe wirklich jeden einzelnen Moment davon! 
Was fertig ist, wird direkt zur Vorbestellung eingestellt. Zwar habe ich bestimmte Tage eingeplant, an denen neue Bücher erscheinen sollen, aber wenn ich es mal nicht rechtzeitig schaffe, dann ist das eben so. Mein Arbeitstag lässt sich durch die Pflege meiner Mama nicht immer perfekt planen, und ich nehme mir ganz bewusst die Freiheit, auch mal etwas zu verschieben oder auszusetzen.
Zum Glück habe ich den Luxus, dass meine Bücher generell sehr gut laufen und ich mir da keinen Druck machen muss. Wenn also mal einen Monat lang weniger kommt – oder sogar gar nichts – dann ändert das nichts an meinem Erfolg.
Und ganz ehrlich: Wirklich lange muss man bei mir ja sowieso nie auf Nachschub warten. 
Ich rege mich nicht mehr über toxische Dark Romance auf
Früher war es für mich ganz normal, mich lautstark darüber aufzuregen, wenn ich Bücher gesehen habe, die gefährliche und toxische Beziehungsmuster romantisieren.
Ich war wütend, ich wollte das ändern – und habe festgestellt, dass man selten Veränderungen schafft, wenn man nur ständig auf andere zeigt und kritisiert. Seitdem mache ich es anders: Statt mich darüber aufzuregen, schreibe ich einfach meine eigenen Bücher.
Dark Romance, aber mit Greenflag-Protagonisten.
Romane, in denen zwar das dunkle Setting, die intensive Atmosphäre und der Nervenkitzel vorhanden sind, aber keine Gewalt romantisiert wird und keine toxischen Muster bejubelt werden. Denn positive Veränderungen schafft man leichter durch eigenes Vorleben, als indem man ständig den Finger erhebt.
Positive Beispiele werden gefeiert, anstatt die negativen ständig hervorzuheben
Es gibt toxische Beziehungsmuster leider nicht nur in Dark Romance. Auch in normalen Romance-Büchern und Serien findet man sie ständig: Untreue wird entschuldigt, wenn die beiden Figuren nur am Ende wieder zusammenkommen, Miscommunication wird so auf die Spitze getrieben, dass aus dem Missverständnis gefährliche und verletzende Dynamiken entstehen.
Früher habe ich das oft kritisiert und diskutiert. Heute merke ich, dass mir das zu wenig ist. Stattdessen hebe ich lieber Bücher und Serien hervor, die genau das Gegenteil tun: Geschichten, die gesunde Beziehungen zeigen, die durch Kommunikation, Respekt und Vertrauen überzeugen.
Ich möchte nicht so wirken, als würde ich alles andere schlechtmachen, nur um zu behaupten, meine Bücher seien die einzig richtigen oder die einzig wahren. Genau diesen Eindruck vermittelt man aber schnell, wenn man ständig mit dem Finger auf andere zeigt.
Natürlich finde ich es bedauerlich, wie viel Toxisches inzwischen in einem so wunderschönen Genre wie Romance normalisiert wurde – aber durch meine eigenen Geschichten habe ich erfahren, dass man deutlich mehr erreicht, indem man gesunde Beziehungen schreibt und diese erfolgreich werden lässt. Ein Buch, das wirklich etwas bewegt, bringt letztlich viel mehr, als einmal einen kritischen Thread zu posten, den vielleicht nur 600 Leute lesen.
Ich will problematische Marketingstrategien positiv für mich nutzen, anstatt sie zu verurteilen
Es gibt Werbemethoden, bei denen mir früher sofort die Alarmglocken angegangen sind. Der „Er ist eine 10/10, aber …“-Trend ist ein gutes Beispiel. Lange fand ich diesen Ansatz problematisch, weil er auf den ersten Blick zu suggerieren scheint, dass man Redflags normalisieren und hinnehmen sollte.
Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass diese Strategien deshalb funktionieren, weil Leser oft gar nicht gezielt toxische Bücher suchen, sondern einfach bestimmte Dynamiken und Vibes mögen.
Statt solche Werbemethoden kategorisch abzulehnen, entscheide ich nun bewusst, wie ich sie selbst für mich und meine Geschichten nutzen kann – und zwar auf eine Art, die mit meinen moralischen Vorstellungen harmoniert. Ich übernehme problematische Ansätze also bewusst und drehe sie ins Positive um.
Keine Rechtfertigungsdebatten mehr
Ein weiterer Punkt, von dem ich mich bewusst verabschiede, sind endlose Diskussionen über Vielschreiberei, die Qualität von Selfpublishing, Lektorate, Veröffentlichungsrhythmen und alles, was sonst noch regelmäßig durch die Buchbubble geistert.
Ich habe in jüngster Zeit ganz bewusst Abstand zu allem und jedem genommen, was mich immer wieder in genau solche Themen hineingezogen hat. Das war eine der besten Entscheidungen, die ich treffen konnte. Nicht nur für meine mentale Gesundheit, sondern auch für meine Produktivität.
Am Ende ist es schließlich so, dass sich an den Meinungen anderer Menschen ohnehin nichts ändert, nur weil man sich erklärt.
Ich könnte detailliert aufschlüsseln, wie mein Arbeitsalltag aussieht. Ich könnte mir den Mund fusselig darüber reden, dass ich Vollzeitautorin bin und den Großteil meines Tages mit Schreiben verbringe. Ich könnte erklären, dass mir das Schreiben leichtfällt, dass Ideen bei mir oft schneller entstehen, als ich sie festhalten kann, und dass Geschichten manchmal in einem Tempo wachsen, das für andere kaum nachvollziehbar wirkt.
Doch wozu?
Ich muss niemandem beweisen, wie ich arbeite. Ich muss niemandem erklären, warum ich veröffentliche, wie ich veröffentliche. Und ich muss meine Karriere auch nicht durch ständige Rechtfertigungen legitimieren.
Am Ende werden meine Bücher für sich sprechen. Wer Freude daran hat, ist herzlich willkommen. Und wer damit nichts anfangen kann, findet glücklicherweise unzählige andere Geschichten, die besser zum eigenen Geschmack passen.
Das ist vollkommen in Ordnung so.
Mit diesen Änderungen in meinem Autorinnenleben fühle ich mich nicht nur wohler, sondern auch deutlich zufriedener.
Denn statt ständig zu kritisieren, zu verurteilen und frustriert zu sein, konzentriere ich mich jetzt lieber darauf, wie ich es besser machen kann. Und allein diese Perspektivenänderung fühlt sich schon wie ein kleiner Sieg an.