Ich hab gejodelt & das ist mein Fazit

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Faszinierend eigentlich. Seit 2014 gibt es die App Jodel nun schon und ich bin erst in den letzten paar Tagen darauf gestoßen. An und für sich ist es ein sehr nettes Konzept: Man unterhält sich miteinander und tauscht sich aus – innerhalb der Stadt, in dem man sich gerade befindet. Und das auch noch völlig anonym. Zunächst von diesem Prinzip angetan hab ich mir die App aufs Handy geladen. Ortungsdienste fressen eine Menge Akku, also habe ich sie nicht gerne an. Doch um meinen ganz persönlichen Jodel App Erfahrungsbericht schreiben zu können, hab ich mir die Sache nun mal drei Tage lang gegönnt. Mein Fazit dazu erfahrt ihr nun.

Wie funktioniert Jodel denn genau?

Nun, man lädt es runter, schaltet die Ortungsdienste ein und schon ist man dabei. Es ist kein Account oder dergleichen notwendig, da die App schließlich vom Deckmantel der Anonymität profitiert. Genau genommen ist das aber nur semi-anonym – und zwar den anderen Nutzern gegenüber. Die Appbetreiber selbst sind sehr wohl in der Lage, durch die gespeicherte IP-Adresse eine Rückverfolgung zu starten. Es ist nur ein Blick in die AGB notwendig, um das festzustellen. Oder Hausverstand. Ihr könnt auch einfach zwischen den Zeilen lesen, wenn es im FAQ-Bereich um die Meldefunktion geht. Sucht euch eine der drei Varianten aus, jede von ihnen hat ihre eigenen durchschlagenden Argumente.

Hat man Lust, mit der anonymen Community vor Ort zu kommunizieren, wird einfach gejodelt. Die Farbe der Nachricht variiert dabei einfach nach Zufallsprinzip. Es gibt ein Voting-System, bei dem man andere und soweit ich gesehen habe sogar den eigenen Jodel bewerten kann. Wird ein fremder Jodel positiv gewertet, erscheint auch gleich ein Herz. Bei Klick darauf sendet man demjenigen damit ein Danke.

Die ganze Zeit über sammelt ihr Karma, wenn ihr euch aktiv in der App betätigt. Damit könnt ihr nichts weiter anfangen, es ist einfach nur ein nettes Gimmik.

Der Ersteller eines Jodels ist immer @OJ. Original-Jodler nennen es die Apphersteller liebevoll. Danach folgt numerisch die Zuteilung irgendwelcher Zahlen. Anhand der App auf dem Smartphone merkt sich das gute Ding, wer man selbst ist und teilt das auch immer wieder korrekt zu. Und dann gibt es natürlich noch die Info, wie nah oder fern die anderen sind.

  • hier bedeutet, dass sich derjenige im Umkreis von weniger als 1 km befindet
  • sehr nah bedeutet, dass derjenige näher als 2 km ist
  • nah bedeutet, dass es 10 km oder weniger sind
  • und fern steht immer dann beim Jodler, wenn derjenige weiter als 10 km entfernt ist

In die Nachrichten anderer, viel weiter entfernter Städte kann man nur dann zugreifen, wenn man sie als die eigene Heimat hinterlegt hat. Diese ist nur einmal änderbar, danach bleibt das so. Leute, die viel umziehen, haben daher die Qual der Wahl…

Mein Jodel App Erfahrungsbericht

Nun, ich habe die App nach den paar Tagen wieder gelöscht und das sollte eigentlich schon genug darüber aussagen, wie ich zu ihr stehe. Einerseits kommt man sich wie auf einer Partnerbörse vor, andererseits trifft man an jeder Ecke auf fiese Spoiler, unerwünschte Bilder von Drogen und Sexspielzeug oder anderen krassen Shit, über den man eigentlich nicht nachdenken möchte. Die paar übrigen Jodel, die ein paar Stunden überdauert haben, gibt es mal als Screenshots für euch, damit ihr seht, was ich ungefähr meine:

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Tatsache ist jedenfalls, dass die entdeckten Nachrichten und der Ansatz #GoodVibesOnly im ziemlichen Kontrast zueinander stehen. Die Zeit, die ich in der App verbracht habe, ging zu größten Teilen dafür drauf, die ganzen ekeligen Schweinereien zu melden, die ja ohnehin keiner sehen will.

Die Grundgedanken von Jodel: Die Location kennenlernen, Freunde gewinnen

Es gab schon ein paar Aufrufe nach Freundschaften, aber so seltsam sich manche in den Kommentaren geben, wird man einfach skeptisch. Leute stellen sich mit “Hi, bin neu hier!” vor und werden sofort gefragt, ob sie männlich oder weiblich sind. Als ein Mensch in einer Beziehung fühle ich mich da tatsächlich etwas bedrängt, denn hätte ich Lust, irgendwem irgendwelche Avancen zu machen, würde ich gezielt zu Tinder oder dergleichen greifen, aber nicht zu einer App, die für einen lustigen Austausch untereinander steht.

In den Kategorien spotted, Haustierzoo und dergleichen ist nichts los. Auf die paar Bilder, die ganz interessant sind (jemand postet ein Bild einer Tafel Schokolade, ein anderer seine Beine im Pool), kann ich getrost verzichten. Da reicht es nämlich, einfach Facebook oder Twitter aufzumachen.

Wo liegt das Problem für so viel Unverschämtheit?

Ich komme in dem Bezug gerne wieder auf die Semi-Anonymität zurück. Fast 80% aller Internetnutzer sind – und das meine ich nicht böse, es ist nunmal einfach so – zu naiv, darüber nachzudenken, dass man sie irgendwie immer nachverfolgen kann. Und zum Spaß schreiben die Leute bei Jodel irgendwo auf ihrer Website auch nicht davon, dass es rechtliche Konsequenzen haben kann, wenn jemand illegale Inhalte postet.

Für die Regeln von Jodel interessiert sich zumindest in meinem Umkreis scheinbar kaum jemand. Da ist es wichtiger, dass von Sex und sexuellem Frust gesprochen wird. Ohne Witz, es waren 80% aller Postings nur über solche Themen.

Jetzt aber her mit euren Erfahrungen!

Wie sieht es bei euch aus, habt ihr selbst Jodel? Wie aktiv nutzt ihr es? Sieht es bei euch spannender aus? Ich freue mich darauf, dass ihr mir eure Erfahrungen kurz schildert!


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