Gemüse selbst anbauen für Anfänger (Balkon & Garten)

Gemüsegarten-anlegen

Jeder weiß, dass Gemüse gesund ist und dass Gemüse aus dem eigenen Garten besser schmeckt als gekauftes Gemüse. Zum einen ist selbst geerntetes Gemüse frischer und zum anderen weist du genau, dass bei dem Anbau keine Pestizide verwendet wurden. Wer keinen eigenen Garten hat, muss deshalb nicht unbedingt auf selbst angebautes Gemüse verzichten. Einige Gemüsesorten können auch auf einem Balkon in Balkonkästen, Kübeln oder sogar in einem Hochbeet angebaut werden. Hochbeete kann man auch im Garten auf wenig Raum aufstellen und dort Gemüse anbauen. Im Folgenden werden wir dir Informationen über den Anbau von Gemüse auf dem Balkon und im Hochbeet zur Verfügung stellen.

Welche Ausrüstung brauche ich?

Wenn du auf deinem Balkon Gemüse anbauen willst, solltest du zuerst einmal die Tragfähigkeit des Balkons bei deinem Vermieter überprüfen, damit er das zusätzliche Gewicht der Pflanzgefäße auch ohne Problem tragen kann. Dann brauchst du natürlich einiges an Ausrüstung. Sehen wir uns das mal genauer an.

Pflanzgefäße

Die Gefäße für den Anbau von Balkongemüse sollten ausreichend Platz bieten und eine Höhe von mindestens 40 cm haben, damit auch tief wurzelnde Pflanzen wie Möhren darin Platz haben. Die Pflanzgefäße sollten ein Abflussloch besitzen, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Wenn du handwerklich geschickt bist, kannst du auch ein kleines Hochbeet bauen. Für Kartoffel gibt es spezielle Töpfe, die für eine einfache Ernte mit einem speziellen herausnehmbaren Innenteil ausgestattet sind.

Balkon-Pflanzen-ansetzen

Alternativ: Ein Hochbeet

Hochbeete können aus Holz, Beton, Kunststoff oder Metall bestehen. Vor allem für den Balkon sind Hochbeete auf Stelzen empfehlenswert, da sie nicht so schwer sind. Ein Hochbeet aus Holz sollte innen mit einer Folie ausgekleidet werden, um ein zu schnelles Austrocknen der Erde zu vermeiden. Für die Grundfläche des Hochbeetes brauchst Du ein feinmaschiges Drahtgeflecht, um das Eindringen von Nagetieren zu vermeiden.

Optimale Bedingungen werden im Hochbeet mit einem Aufbau in Schichten geschaffen. Unten wird es mit grobem Material befüllt und nach oben werden die Schichten immer feiner. Die letzte Schicht aus Blumenerde sollte etwa 15 cm dick sein.

Ganz unten wird eine Reisigschicht angelegt. Dann folgen umgedrehte Grasnarben oder Rasenschnitt, eine Kompostschicht, ein Bodenaktivator, und schließlich die Pflanzerde.
Das Hochbeet sollte im Herbst angelegt werden, damit die Schichten sich im Winter setzen können.

Erde und Dünger für Balkongemüse

Als Erde solltest du Pflanzerde ohne Torf in Bio-Qualität verwenden. Andere Blumenerde enthält zu viel Dünger. Für manche Gemüsesorten, wie beispielsweise Tomaten, gibt es Spezialerde. Diese ist zwar teuer, ist aber ideal auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze abgestimmt. Je nach Größe und Beschaffenheit der Pflanzgefäße muss das Gemüse mehr oder weniger oft gegossen werden. Es sollte auf jeden Fall nie ganz austrocknen. Um den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken, sollten sie etwa alle 14 Tage gedüngt werden. Dabei richten sich die Menge und der Bedarf nach der jeweiligen Pflanze. Auch hier gibt es Dünger, die auf spezielle Pflanzen abgestimmt sind.

Garten-Hilfsmittel-und-Samen

Gartengeräte & Hilfsmittel

Du solltest dir für deinen Balkongarten kleine, robuste Gartengeräte zulegen. Du brauchst wenigstens einen kleinen Spaten, eine Hacke und einen Rechen.

Gemüsesamen

Im Handel ist spezielles Saatgut für Balkongemüse erhältlich. Das Gemüse wird nicht so groß und wächst kompakter, ist aber trotzdem sehr ertragreich.

Samen selbst gewinnen und richtig lagern

Wenn Du Samen gewinnen willst, lohnt es sich durchaus, eine zweijährige Gemüsepflanze wie die Karotte einfach einmal stehen zu lassen.

Zur Gewinnung des Samens kannst du die vertrockneten Pflanzen in ein Säckchen aus Tüll legen und sie vorsichtig abklopfen. So fallen die Samen von der Pflanze und können jetzt einfach getrennt oder gesiebt werden. Tomatensamen gewinnen kannst du zum Beispiel, indem du das Innere der Tomate in ein Teesieb gibst und ordentlich mit Wasser abspülst. Das Gleiche gilt auch für anderes Saatgut, das sich im glitschigen Inneren eines Gemüses verbirgt.

Der so gewonnene Samen kann bis zu drei Jahre gelagert werden. Er muss allerdings trocken gelagert werden, da die Samen bei Feuchtigkeit anfangen zu keimen und dann nicht mehr benutzt werden können. Die trockenen Samen können in Dosen, Gläsern oder Umschlägen aufbewahrt werden. Sie sollten allerdings beschriftet sein, damit du weißt, um welche Samen es sich handelt.

Wie kann man von selbst angesetzten Pflanzen Samen gewinnen?

Früher war es üblich, eigenes Saatgut aus den angepflanzten Pflanzen zu gewinnen. Das ist jedoch nicht bei jedem Gemüse gleich gut möglich.

Aus sogenannten F1-Hybriden können keine eigenen Samen gewonnen werden, da diese auf Gleichförmigkeit gezüchtet wurden. Sie sind nicht samenfest und aus dem gewonnenen Samen könnten ungesunde neue Pflanzen entstehen. Ob es sich bei deinen Pflanzen um F1-Hybriden handelt, kannst du auf der Samenpackung erkennen.

Zur Samengewinnung brauchst du samenfestes Saatgut. Dazu gehören bestimmte Tomatensorten, Bohnen, Erbsen und bestimmte Paprikasorten. Saatgut aus diesen Pflanzen produziert auch im kommenden Jahr gesunde Pflanzen. Die Ernte fällt allerdings in der Regel etwas geringer aus.

Bei der Gewinnung von Saatgut unterscheidet man zwischen einjährigen und zweijährigen Pflanzen. Einjährige Pflanzen produzieren nach der Blüte viel Saatgut. Zweijährige Pflanzen bilden erst nach der zweiten Wachstumsperiode Saatgut.

Einjährige Pflanzen:

  • Bohnen
  • Erbsen
  • Kürbis
  • Paprika
  • Tomaten
  • Zucchini

Zweijährige Pflanzen:

  • Karotten
  • Pastinaken
  • Sellerie
  • Zwiebeln

Welche Temperatur- und Sonnenverhältnisse sollten herrschen?

Du solltest als Erstes analysieren, in welche Richtung dein Balkon zeigt, ob er größtenteils in der Sonne oder im Schatten liegt. Oder hast du gar eine Dachterrasse, die den ganzen Tag gut beleuchtet wird.

Zuchhini-Tomaten

  • Nördliche Ausrichtung: Liegt dein Balkon nach Norden, ist er eher kühl und schattig. Er eignet sich nicht für alle Gemüse oder Kräuter.
  • Östliche Ausrichtung: Hier scheint die Sonne am Vormittag. Der Balkon ist perfekt für Pflanzen die nicht zu viel Sonne vertragen.
  • Südliche Ausrichtung: Hier scheint die Sonne den kompletten Mittag. Das Wasser verdunstet hier rasch und du musst oft gießen.
  • Westliche Ausrichtung: Auf der Westseite gibt es viele Sonnenstunden. Oft weht auch ein lauer Wind. Die Pflanzgefäße müssen einen sicheren Stand haben und dünne Pflanzentriebe dürfen nicht dem Wind ausgesetzt werden.

Von den Bedingungen auf deinem Balkon hängt außerdem die Art der möglichen Bepflanzung ab.

Sonnige Standorte (südliche Ausrichtung):

  • Aubergine
  • Chili
  • Gurke
  • Tomate
  • Zucchini

Standorte mit Halbschatten (östliche oder westliche Ausrichtung):

  • Brokkoli
  • Buschbohnen
  • Karotte
  • Kopfsalat
  • Radieschen
  • Spinat

Schattige Standorte (nördliche Ausrichtung):

  • Bohnen
  • Erbsen
  • Feldsalat
  • Kohlrabi
  • Rote Beete
  • Rucola

Wenn du dich entschieden hast, was du anbauen willst, spielt noch der richtige Zeitpunkt zum Pflanzen eine Rolle. Vor Mitte Mai sollten die meisten Pflanzen noch nicht ins Freie, weil es bis zu den Eisheiligen Mitte Mai immer noch Nachtfröste geben kann. Ab Mitte Mai sollten die Nachtfröste vorbei sein und du kannst deinen Balkon bepflanzen.

Welche Gemüsepflanzen sind anfängerfreundlich?

Bei der Auswahl der Gemüsesorten kannst du beinahe alles wählen. Der Anbau der meisten Gemüsesorten ist auch auf dem Balkon ziemlich problemlos. Zu den beliebtesten Balkongemüsen zählen:

  • Buschbohnen
  • Gurken
  • Kartoffeln
  • Kohlrabi
  • Mangold
  • Möhren
  • Paprika
  • Radieschen
  • Salat
  • Sellerie
  • Spinat
  • Süßkartoffeln
  • Tomaten
  • Zuckerschoten
  • Zwiebeln
Von einigen Gemüsesorten gibt es Züchtungen speziell für den Anbau auf dem Balkon. Die Pflanzen sind nicht so groß im Wuchs, sind trotzdem sehr ertragreich.

Da diese Pflanzen im Handel seltener als Jungpflanzen angeboten werden, empfiehlt es sich, sie auf einer Fensterbank in der Wohnung vorzuziehen und erst später draußen einzupflanzen (nach den Eisheiligen).

Vorziehen-auf-Fensterbank

Einige Gemüsepflanzen, die bereits vorgezogen sind und in Gartenzentren gekauft werden können, kannst du auf dem Balkon einpflanzen. Buschtomaten sind zum Beispiel gut für die Balkonbepflanzung geeignet.

Wann wird mit dem Ansetzen begonnen?

Auf dem Balkon kann die ganze Pflanzsaison über von April bis in den späten Herbst und sogar im Winter Gemüse angebaut werden. Der Anbau sollte sich wie folgt gestalten:


April

Wie im Garten kann mit der Aussaat von Radieschen und Salat auch auf dem Balkon bereits im April begonnen werden. Vor allem Pflücksalat und Rucola eignen sich für den Anbau auf dem Balkon.

Auch Gartenkräuter wie Thymian, Schnittlauch, Minze oder Gewürzsalbei können bereits im April in Töpfe auf dem Balkon angebaut werden. Bei mehrjährigen Pflanzen sollte im Frühjahr ein vorsichtiger Rückschnitt erfolgen. Das fördert den Austrieb und die Pflanze wird buschiger.


(Anfang) Mai

Wärmeliebende Gemüsesorten wie Tomaten, Paprika, Zucchini und Aubergine sollten ab Mitte Mai gepflanzt werden. Du solltest ein Vlies zum Schutz der Pflanzen bereithalten. Rücke die Pflanzen bei Nachtfrost nahe an die Hauswand oder bringe sie sogar im Haus unter.


Mai bis September

Wenn Radieschen und Salat abgeerntet sind, können diese immer wieder neu eingesät werden.


Oktober

Obwohl Feldsalat das ganze Jahr über angebaut werden kann, hat er Ende Oktober Saison. Er gehört zu den robusten Wintersalaten und enthält viel Vitamin C. Er kann den ganzen Winter über geerntet werden.


Wie kann ich mich und mein Gemüse vor Ungeziefer schützen?

Mehltau, Blattläuse, selbst Schnecken können beispielsweise mit gekauften vorgezogenen Pflanzen auch auf deinen Balkon belangen. Hier sind ein paar bewährte Hausmittel gegen diese Schädlinge:

  • Seife oder Kaffee gegen Blattläuse
  • Milch gegen Mehltau
  • Kokosöl gegen Zecken
  • Sägespäne gegen Schnecken
  • CDs als Vogelschreck
  • Kartoffelwasser gegen Algen
  • Vaseline und Zitronen gegen Ameisen
  • Pflanzenöl gegen Schildläuse


Eine Seite wie diese erfordert viel Arbeit, auch hinter den Kulissen. Dein Beitrag unterstützt mich dabei, daher ein großes DANKE für jede Unterstützung!