Nerdkram

Wovon Anime-Vermarktung eigentlich abhängt

Seit ihrem Boom Anfang der 2000er Jahre sind Animes und Mangas eine feste Größe bei uns auf dem Markt.
Regelmäßig erscheinen neue, tolle Serien, aber nicht immer werden Fanwünsche erfüllt und so ziehen Fans im Ausland oft den Kürzeren.

Selbst eine populäre Serie wie One Piece brauchte ganze fünf Jahre, um mit dem „Reunion-Arc“ zurück nach Deutschland zu kommen. Die ersten Episoden laufen seit Mitte Juli 2017 – obwohl sie bereits 2012 in Japan ausgestrahlt wurden.

Immerhin: One Piece Fans brauchen sich keine Sorgen machen – ihr Anime wird sicher noch lange weiterlaufen. Andere, weniger populäre Serien tun sich allerdings schwer.

Nicht selten schafft es nur eine Staffel auf die Bildschirme. Ein Großteil gelangt nie auf den internationalen Markt, geschweige denn, dass sie überhaupt eine Fortsetzung bekommen (Claymore, anyone? ;_;).

Wovon hängt es eigentlich ab, ob ein Anime eine Fortsetzung bekommt oder nicht?

Sehen wir uns die Gründe für Anime-Vermarktung einmal genauer an:

Anime im Schnelldurchlauf:  Wie wird ein Anime produziert?
Hinter der kreativen Produktion einer Anime-Staffel steckt ein Team aus dutzenden Vertretern verschiedenster Branchen:

  • Manga- oder Buch-Verlage (als Vorlagen-Geber)
  • Sponsoren (für eventuelle Produktplatzierungen)
  • Merchandising-Verantwortliche (für alles, was an Fanartikeln anfallen könnte)
  • Musiklabels (für den Soundtrack)
  • Spiele-Entwickler (für mögliche Game-Umsetzungen)

Dieser Zusammenschluss nennt sich „Animationskomitee“.

Der große Vorteil an diesem Komitee: Die gigantischen Produktionskosten werden auf mehrere Köpfe aufgeteilt.

Um beim Beispiel One Piece zu bleiben: Eine einzige Episode kostet umgerechnet etwa 80.000 € – nach oben gibt es keine Grenze.

Der Nachteil: Je mehr Leute an der Entstehung beteiligt sind, desto mehr Stimmen haben auch ein Mitspracherecht.

Die eigentlichen Produktionsstudios sitzen nur selten mit im Komitee und haben keine Entscheidungsgewalt über mögliche Serialisierungen, bzw. Fortsetzungen.

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Warum dennoch so viele Studios bankrott gehen

Ihr habt bereits erfahren, dass ein Anime eine Menge Geld kostet.

Außerdem ist so eine Staffel nicht in wenigen Wochen abgedreht.

Damit eine einzige Animefolge produziert werden kann, vergehen Monate.
Trotzdem kommen von Jahr zu Jahr mehr Animes auf den Markt.

Viele werden nach einer Season jedoch wieder abgesetzt. Dadurch fahren die Studios Verluste ein, weil sie die Produktionskosten nicht wieder einholen konnten.

Der aktuellste Fall ist Studio ARTLAND (produziert u.a. die Animes „Mushishi“ und „Demon King Daimao“), das erst im Juli diesen Jahres Pleite ging und Insolvenz anmelden musste.

Durch die Kostenaufteilung auf das Animationskomitee lässt sich dieser Schaden eine Zeit lang kompensieren. Mehrere Flops hintereinander führen aber leider doch zur Schließung eines Produktionsstudios.

Außerdem ist die Fluktuation unter den Mitarbeitern der Animationsstudios enorm.

Sie werden nicht nur schlecht bezahlt, sondern regelrecht ausgebeutet.
Natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass die Arbeitsmoral in Japan generell anders ist als hierzulande. Japanische Angestellte arbeiten länger (Überstunden) und haben wesentlich weniger Urlaubstage zur Verfügung.

Kaum ein Mitarbeiter bleibt länger als zwei, drei Jahre in der Anime-Branche.

Dies bringt uns zu einem weiteren Problem in der Anime-Vermarktung:

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Wenn sich zwei streiten, freut sich… niemand

Kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen Animationsstudio und Mitarbeitern, kann dies das Ende einer Animeproduktion bedeuten.

Im Fall des Anime-Klassikers Sailor Moon zerstritten sich Studio und Kreativteam so dermaßen, dass die Lizenz für Auslands-Vermarktungen geblockt wurde.
Die Folge: Der Anime durfte weder in Japan, noch im Ausland – trotz deutscher Dub – rund zehn Jahre lange nicht mehr ausgestrahlt werden.

Auch Musikrechte können die weitere Veröffentlichung einer Anime-Serie beenden. Bestimmte Titel sind für andere Länder gesperrt und können erst nach Ablauf einer mehrjährigen Frist verwendet werden.
Deshalb bekamen Animes hierzulande lange Zeit eigene, deutsch gesungene Openings und nicht die japanischen Originaltitel.

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Der kommerzielle Erfolg

Ganz entscheidend bei der Frage, ob ein Anime eine weitere Staffel erhält, ist der lokale und internationale Erfolg.
Der Manga-Überraschungshit „Attack on Titan“ bekam einen Anime – der den Erfolg noch toppte. Mittlerweile läuft er sogar im deutschsprachigen Free-TV.

Wird ein Anime in Japan vom Publikum angenommen, zieht das Animationskomitee eher eine Fortsetzung in Betracht, als wenn er floppt. Logisch.

Longrunner-Animes werden jedoch oft zu Lasten der Qualität ausgeschlachtet, um noch mehr Geld damit zu machen.

Das Dragonball-Franchise ist ein gutes Beispiel: Mangaka Akira Toriyama war an DB GT nicht beteiligt und eigentlich schon im Ruhestand. In einem Interview erklärte er, dass er für die Folgeserie „Dragonball Super“ wieder an Bord sei, weil er nicht mit ansehen konnte, was die Produzenten in GT aus seinem Werk gemacht hatten. Shots fired.

Damit kommen wir zu einem weiteren Punkt:

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Der Einfluss der Mangakas und Verlage

Ein Großteil der Animes basiert auf einer Manga- oder Novel-Vorlage.

Viele werden nur produziert, um die Verkäufe von Manga/Novel zu pushen.

Bekommt ein Manga eine Anime-Umsetzung, steigt das Interesse der Käufer: Gefällt ihnen die Serie, kaufen sie den Manga. Wird die Serie nicht fortgesetzt, wollen sie den Manga erst recht haben, um zu erfahren, wie es weitergeht.

Und das funktioniert, wie die Beliebtheits-Umfragen der großen Mangamagazine (z.B. Weekly Shounen JUMP) immer wieder zeigen.

Große Verlage geben oft ein Budget vor, mit dem dann ein Anime produziert wird.

Die Produktionsstudios verdienen daran allerdings nichts. Ist das Budget ausgeschöpft, haben sie quasi Pech gehabt.

Auch Kinofilme werden aus diesem Topf bezahlt.

Hin und wieder kommt es auch zu inhaltlichen oder optischen Fehlern. Z.B. hatte One Piece-Mangaka Eiichiro Oda für Nico Robin braune Augen und schwarzes Haar vorgesehen. Da noch keine Farbentwürfe von ihr vorlagen, entschieden die Anime-Macher eigenmächtig, ihr blaue Augen und blauschwarzes Haar zu geben.

Im schlimmsten Fall können ein unzufriedener Mangaka und sein Verlag wegen solchen Fehlern die Fortsetzung eines Animes stoppen.

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Sponsoring und Product Placement

Ein Großteil der Kosten einer Anime-Produktion wird durch Sponsorengelder getragen. Diese Sponsoren sitzen, wie schon erwähnt, im Animationskomitee und haben Mitspracherecht, bzw. gar die Entscheidungskraft.

„Wer zahlt, schafft an“ – so funktioniert die Zusammenarbeit mit Sponsoren. Sie bestimmen letzten Endes, was gezeigt wird oder nicht.
Auch Product Placement, also das „zufällige“ Platzieren einer Marke, ist auch in Animes ein großes Thema.
Vielleicht ist euch schon mal aufgefallen, dass die Charaktere eine bestimmte Biersorte trinken und Ramen eines bekannten Herstellers verspeisen; ein Chara eine bestimmte Automarke fährt oder ein bekannter Song im Hintergrund läuft.
Um möglichst viele (zukünftige) Geldgeber anzusprechen, setzen viele Animes auf allgemein beliebte Themen wie Schulalltag und RomCom, Action oder Ecchi.

Manche Animes werden sogar nur produziert, um für Sponsoren attraktiv zu sein. Wie es um die Qualität der Serie bestellt ist, sei dahingestellt.

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Anime-Movies und OVAs als Goodie für den Fan?

Ganz ehrlich, ich dachte bisher immer, dass ein Kinofilm oder eine OVA produziert werden, weil ein Anime erfolgreich ist.

Das ist nicht falsch, tatsächlich stecken aber wieder rein kommerzielle Gründe dahinter.

Movies werden oft nur produziert,

  • um die Gewässer zu testen, sprich, zu schauen, ob sich eine richtige Anime-Umsetzung überhaupt lohnen würde
  • weil sich ein Anime eben NICHT mehr lohnt (… man munkelt, dass auch die 4. Staffel von Sailor Moon Crystal deswegen als Movie kommt und nicht mehr als Serie) oder
  • damit die schwächer werdenden Manga-Verkäufe wieder angekurbelt

Bringt das nichts, ist das der Todesstoß für den Anime.
Was kostet die Welt… äh, die Lizenz?

Wer von euch hat sich auch schon darüber beschwert, dass Anime-DVDs oder –Blurays zu teuer sind?

In Japan kosten Animes sogar noch wesentlich mehr als in Europa.

Aber wie bei allen Produkten bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt und den Preis. Wenn also niemand mehr kauft, gibt es für die Publisher keinen Grund, weitere Episoden zu verlegen, bzw. überhaupt in neue Staffeln zu investieren.

Mit Glück wird noch ein Film produziert und dann ist Schluss.

Ihr merkt schon: Egal, wie man es dreht und wendet, ob ein Anime fortgesetzt und/oder im Ausland lizenziert wird, liegt in erster Linie am Geld.

Selbst, wenn die 1. Staffel extrem erfolgreich ist, muss keine 2. kommen – außer es wurde vorab vertraglich vereinbart.

Wenn all das aber keine Rolle spielen würde: Welcher Anime sollte eurer Meinung nach unbedingt eine Fortsetzung bekommen?

2 Kommentare

  • Christine

    Ob jetzt bei Anime oder Serie, Verfilmung oder was auch immer. Viele Punkte die du hier aufführst gelten mittlerweile für die ganze Branche… es ist ja auch bei Serien oder Verfilmungen oft so, dass sie nur in Angriff genommen werden, wenn sich auch das drum herum gut vermarkten lässt. Wenn beispielsweise schon eine erfolgreiche Buchvorlage existiert. Dadurch bleiben meiner Meinung nach total viele Geschichten und Potential ungenutzt… Da gehen uns sicher viele Perlen verloren!
    Und generell stellt man ja mittlerweile alles sehr schnell ein! Bei Netflix und Co kommt ja wenigstens noch eine Staffel raus, im Fernsehen macht man ja oftmals schon nach ein paar Folgen wieder Schluss..

  • sunochan

    Jap, das stimmt natürlich. 😀 Aber die gesamten Details vom Buch in den Film zu übertragen, geht einfach vom Umfang her nicht. Bestes Beispiel sind die Chroniken der Unterwelt. Der Film ist wegen dem Informationsmangel total gefloppt und die Serie genießt totallll viel Aufmerksamkeit. Zurecht, die ist auch super! 😀