20 Dinge, die mit der 50 Shades Reihe nicht stimmen

Fifty-Shades-of-Red-Flags

Hach jo, 50 Shades of Grey, der Liebesroman schlechthin. Voller Stalking, fehlendem Consent, übergriffigem Verhalten, körperlicher Misshandlung und sogar einer Vergewaltigung… wait, what?

Diese glorreiche einstige Fanfiction von Twilight (kein Scherz) wird doch nicht etwa ein Produkt abnormer Fantasien sein, die BDSM in einem völlig falschen Licht darstellen, ein Paradebeispiel für einen abusive Partner liefern und aufzeigen, dass tausende von Leuten nicht ganz richtig im Kopf sein müssen, um sowas gut zu finden?!

AM I RIGHT?!

Ich bin ganz ehrlich. Geschichten, in denen ein Mauerblümchen mit einem Typen zusammenkommt, der völlig out of her league ist, sind einfach ein Guilty Pleasure von mir. Ich sehe mich sehr in solchen Mädels wieder, denn oftmals sind die Handlungen ein bisschen story of my life. Daher war ich natürlich schwer begeistert, als mir meine beste Freundin eines Tages von der Buchreihe erzählt hat. Und als ich dann reingelesen habe, war mein erster Gedanke ehrlich gesagt, zu welchem Priester ich meine beste Freundin schleppen sollte, um ihr sowas Fürchterliches wieder auszutreiben.

Mein zweiter Gedanke war, dass so etwas Absurdes doch nicht erfolgreich sein könnte. Ha ha ha, ich Naivchen. Natürlich ist das Ding erfolgreich. Natürlich entsteht eine Filmreihe draus, die jeweils zum Valentinstag veröffentlicht wird. Und natürlich sehen zigtausend Leute absolut kein Problem in den Handlungssträngen.

Dickes SEUFZ.

Wenn auch du bisher ein Fan dieser Reihe gewesen bist, dann keine Sorge. Ich werde dich bekehren, denn nachfolgend wirst du genügend Red Flags finden, damit es auch dir vergeht, in Christian & Ana 035 Couple Goals 035 zu sehen.

1. Christian stalkt Ana

Kaum dass er sich in den Kopf gesetzt hat, dass Ana die perfekte Sub für ihn ist, beginnt er sie zu stalken. So wie er es mit im Grunde jeder ihrer Vorgängerinnen getan hat, im Übrigen. Immerhin hat der gute Kerl einen Akt voller Informationen über jede von ihnen. (Und waren da nicht auch Sextapes oder irgendwas anderes, mit denen er sie im Fall der Fälle erpressen konnte…?!)

Er taucht einfach in dem Laden auf, in dem Ana arbeitet. Findet sie durch ihre Handyortung sofort, als sie ihn vom Club aus anruft und schickt ihr Bücher, obwohl sie ihm davor nicht gesagt hat, wo sie wohnt. Außerdem findet er sie natürlich, als sie mit ihrer Mutter für ein paar Drinks unterwegs ist.

Ich muss nicht erwähnen, dass da überhaupt nichts niedlich und “awww” daran ist.

2. Er trifft signifikante Entscheidungen über ihren Kopf hinweg

Er verkauft einfach ihr Auto und schenkt ihr ein anderes, ohne das zuvor mit ihr besprochen zu haben. Er schenkt ihr einen Laptop und ein Handy, obwohl sie ihm sehr deutlich zu erkennen gibt, dass ihr das unangenehm ist.

Solche Sachen kann man nicht einfach machen. Wir reden hier schließlich nicht von einer etablierten Beziehung, wo ein Partner weiß, dass der andere seinen Wagen längst verkaufen und einen anderen dafür haben will. Und selbst da ist das problematisch, wenn man noch nie drüber geredet hat, ob solche massiven Eingriffe ins gemeinsame Leben überhaupt erwünscht sind. Immerhin ist man in einer Partnerschaft ein eingespieltes Team und sollte daher Entscheidungen auch gemeinsam treffen.

Christian ist es lediglich gewohnt, die Kontrolle über einfach alles zu haben. Und er zeigt sehr deutlich, dass er das durchzusetzen vorhat.

3. Consent ist ein Fremdwort für ihn

Lustig, dass er noch den strahlenden weißen Ritter vor dem Club mimt, als José sie zu küssen versucht. “Sie hat nein gesagt!”, brüllt er beschützend, schubst den Kerl weg und… nimmt sie dann einfach mit in sein Hotelzimmer.

Ich will anmerken, dass er zu dem Zeitpunkt noch immer ein fremder Typ für sie ist, den sie halt anstelle ihrer Freundin interviewt hat und mit dem sie auf einem Semi-Date gewesen ist. Das außerdem damit geendet hat, dass er ihr theatralisch sagt, sie solle sich von ihm fernhalten. Supi. Beste Voraussetzung, die Person ins Hotelzimmer mitzunehmen, sie zu entkleiden, weil sie sich angekotzt hat, neben ihr zu schlafen und sich tags drauf vor ihr das Shirt über den Kopf zu ziehen, auf das Bett zu krabbeln, einen Bissen von ihrem Toast zu nehmen und dann ins Badezimmer zu verschwinden.

Was für ein fucking creep, der Typ.

4. Er kontrolliert ihr Essverhalten

Hätten die beiden wirklich einen aufrechten Vertrag, oder zumindest eine Vereinbarung, eine BDSM-Partnerschaft, in der alle Fronten geklärt sind, dann wäre das sogar okay, dass er bis ins kleinste Detail kontrolliert, was sie isst. Es gibt Leute, die stehen tatsächlich auf so etwas, darüber sollte man nicht urteilen. Aber so etwas durchzusetzen, wenn sie eh schon den Vertrag nicht unterschreibt und sie mehr als nur einmal klar macht, dass sie keine solche, sondern eine möglichst klassische Beziehung will, geht einfach mal gar nicht.

In Fifty Shades Darker droht er ihr ja sogar damit, sie vor allen Leuten übers Knie zu legen, wenn sie nicht sofort isst. Und er betont dabei sogar, dass es ihm dabei nicht einmal um etwas Sexuelles ginge.

5. Christian macht klar, dass er Ana besitzen will

Selbst, als die Sache mit dem Vertrag vom Tisch ist, haben die beiden häufig ziemlich groben Sex, damit er klarmacht, dass er “da gewesen” ist. Und dass er ihr ständig sagt, dass sie ihm gehört, ist in keinster Weise sexy, so meint er das auch überhaupt nicht. Ihm geht es hier tatsächlich darum, klarzumachen, dass er sie besitzt.

6. Er ist extrem (& übertrieben) eifersüchtig

Christian hat jedes Bild gekauft, das José von ihr in seiner Ausstellung hatte, weil er nicht wollte, dass sie jemand anderes ansieht.

Während ihrer Flitterwochen ist er ausgeflippt, weil sie ihr Oberteil ausgezogen hat, um sich so in der Sonne zu baden. Anschließend hat er sie einmal mehr spüren lassen, dass sie (und ihr Körper) ihm gehört, indem er überall an ihrem Oberkörper Knutschflecken hinterlassen hat, damit sie das Top nicht nochmal auszieht.

Dass sie einen männlichen Arbeitskollegen (= ihr Chef) hat, stört ihn bereits noch bevor dieser übergriffig ihr gegenüber wird. Er wird wütend, als sie mit José telefoniert und unterstellt ihr an einer Stelle direkt, dass er nicht vorhabe, zu teilen, meint dabei José, obwohl Ana eigentlich mit Kate hat telefonieren wollen.

7. Er hat die schwangere Ana im Stich gelassen

Wenn dir deine Frau eröffnet, dass sie schwanger geworden ist (ob das nun geplant war oder nicht), ist es selbstredend die dümmste Entscheidung, erst wütend zu werden, Vorwürfe durch den Raum zu werfen und dann zur eigenen Exfreundin zu fahren, um sich von der trösten zu lassen. Wie immer dieser Trost aussehen mag und selbst, wenn nichts Sexuelles passiert ist. Übrigens auch zuckersüß, dass er vor dem dramatischen Verlassen des Apartments seine Fäuste auf den Tisch geschlagen hat und sie praktisch dumm genannt hat, “weil sie es nicht (einmal) schafft, zu verhüten”.

8. Er engt sie bei jeder Gelegenheit ein

Niemand Außenstehendes darf erfahren, was in der Beziehung so vor sich geht. Weder ihre engsten Freunde noch ihre Familie.

Als sie den Vertrag von ihm bekommt, fragt er sie andauernd, ob sie ihn denn gelesen hat.

Sobald sie ihren Traumjob hat, kauft er die ganze Firma und wird dann irgendwie der Boss vom Boss von ihrem Boss oder so. Im Film ist das nicht so stark übernommen worden, aber im Buch gehen ja dann andauernd Mails zwischen den beiden hin und her, die dann auch nochmal sehr stark zeigen, dass er ihr im Prinzip absolut keine Zeit für sich selbst zugesteht. Wozu soll sie auch arbeiten, sie haben Milliarden von Dollar auf dem Konto. Nebenher geht es eine ziemlich lange Zeit in diesen Mails darum, dass er sich aufregt, dass sie seinen Namen nicht annehmen will, obwohl sie geheiratet haben. Dass das ihr Bedürfnis ist und ihr das wichtig zu sein scheint, spielt offensichtlich für ihn gar keine Rolle.

9. Er droht ihr ständig körperliche Gewalt an

BDSM-Beziehung oder nicht, es ist völlig abnormal, dem Gegenüber bei jeder Gelegenheit physische Bestrafung anzudrohen.

Ich habe mich alleine deshalb schon mit einigen Doms unterhalten, professionellen und auch solchen, die BDSM-Beziehungen schon seit Jahren privat führen. Sobald einmal die Grenzen gesteckt sind, sollte es nicht mehr andauernde Erinnerungen dazu geben, denn Kontrolle und Manipulation sind nicht Sinn der Sache.

Christian aber betont andauernd, dass Ana nicht mit den Augen rollen soll, weil er sie sonst übers Knie legt. Gleiches gilt dafür, wenn sie nicht isst oder einfach seinen Instruktionen nicht Folge leistet.

An der Stelle sollte man übrigens betonen, dass diese Drohungen auch schon ausgesprochen werden, bevor die beiden überhaupt ihre BDSM-Beziehung eingegangen sind. Auch steht er ganz offen dazu, dass er es nicht immer im sexuellen Kontext tun will. So heißt es seinerseits in einem Moment, als Ana ihn fragt, ob er sie nun schlagen wird:

“Yes, but it won’t be to hurt you. I don’t want to punish you right now. If you’d caught me yesterday evening, well that would have been a different story…”

Also sagt er hier im Grunde, dass er sie tags zuvor noch hätte schlagen wollen, einfach nur um sie zu schlagen. Und nicht, um ihnen beiden sexuelles Vergnügen einzubringen.

10. Ana scheint das Stockholm Syndrom zu haben

Das ist nichtmal übertrieben ausgedrückt.

Ständig findet sie es witzig, Christian zu provozieren und zum Beispiel absichtlich mit den Augen zu rollen. Andauernd ist da die kleine Hoffnung, dass sie diejenige sein könnte, die den wilden Wolf zähmt. Schlägt er über die Stränge, gibt es Streit oder Tränen. Und danach wird dann irgendwie versucht, aus den Scherben das beste zu machen. Teilweise fleht sie Christian dazu an, sie in ihr Leben zu lassen. Etwa, als er dann mit einem Lippenstift eine Karte auf seinem Oberkörper malt, wo sie ihn überall berühren darf.

Ich gehe weiter unten nochmal näher auf die Sache mit dem Stockholm Syndrom ein.

11. Selbst die Autorin scheint den Überblick zu verlieren

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob der Punkt auch in den Büchern so deutlich gefailt wird. Aber in den Filmen gibt es einen gravierenden Logikfehler, der für sich allein genommen schon genügend Hinweis ist, wie sehr die BDSM-Szene von diesem Werk in den Dreck gezogen wird:

Zitat aus dem ersten Film:

Anastasia: “You’re a sadist?”
Christian: “I’m a dominant.”

Zitat aus dem zweiten Film:

Christian: “I’m not a dominant. I’m not. The right term is a sadist.”

12. Die Autorin scheint keine Ahnung von BDSM zu haben

Bevor wir zu dem wirklich harten Tobak der Story kommen, mal ein bisschen was über die Hintergründe der Bücher.

Fun Fact: Hast du schon gewusst, dass die Sub in einer BDSM-Beziehung eigentlich diejenige mit der Kontrolle ist? Denn sie hat die Macht über den Dom. Ein Wort und er muss aufhören, was auch immer er tut, denn dazu sind die Safewords da.

Ein Dom hat es mir so erklärt, dass es seine Aufgabe sei, der Sub Vergnügen zu bringen, solange und wie sie es ihn tun lässt. Das alleine ist schon ein guter Hinweis, dass die Autorin das BDSM-Thema einfach absolut nicht begriffen hat.

E.L. James selbst sagt, dass sie tiefgehend für ihr Buch recherchiert habe & dass diese ihre Fantasien widergeben.

Die Bücher sind meine Fantasie. Ich habe sie wirklich für mich geschrieben, und das Wunderbare daran ist, dass sie die Fantasien anderer Leute zu sein scheinen, also bin ich nicht so pervers. E.L. James in einem People Interview

So, wie sie die Beziehung beschreibt, ist es aber einfach offensichtlich, dass sie nicht korrekt recherchiert hat. Ich hab nämlich meinen eigenen Teil an Recherche erledigt und mich mit diversen Doms in Verbindung gesetzt, um ihnen Fragen zu stellen und mit ihnen über das Werk gesprochen. Einer hat sogar die ganzen Bücher alle gelesen, weil er dringend wissen wollte, ob denn überhaupt ein einziges Mal das Safeword ihrerseits zum Einsatz gekommen ist. Das war Marc. Und er hat mir dazu folgendes geschrieben:

Es ist eine wirklich schwierige Situation, was da alleine in Sachen Safeword in den Büchern vermittelt wird. Im ersten Teil vergisst Anastasia das Safeword und beginnt anschließend zu weinen, weil er ihr solche Schmerzen zugefügt hat und sie sich erniedrigt fühlt.

Was ist davor passiert? Dass Christian sie bestrafen will, macht er zuvor ja schon mehrfach deutlich und schließlich kommt es zu der Situation, in der er ihr sechs Schläge ankündigt, diese sechs Schläge durchführt und danach aufhört. Aus diesem Grund glauben viele Personen, dass sein Verhalten in Ordnung sei und es das Problem von Ana sei, daraufhin so am Boden zerstört zu sein. Aber die Sache ist: Christian hat hier als Dom auf voller Linie versagt.

Als Dom ist es meine Aufgabe, die Sub dazu zu motivieren, das Safeword zu sagen. Ich muss nachfragen, ob sie es denn verwenden möchte, wenn ich merke, dass sie sich unwohl zu fühlen beginnt. Immerhin hat man ja auch mehrere Safewords, nicht nur für das Ende, sondern auch, um zu etwas anderem zu wechseln oder langsamer zu machen.

Es ist meine Aufgabe, ihre Körpersprache zu lesen und dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht. Christian will einfach nur Schläge an Ana austeilen und darum geht es im miteinander Spielen überhaupt nicht. Das ist vielmehr sein purer Egoismus, sein Wunsch, Gewalt auszuüben.

Und Spoiler Alert: Das ist nicht Sinn von BDSM und damit hat die Autorin schlichtweg den Kern des Ganzen falsch dargestellt.

Marc erklärt zu dieser einen Sache noch weiter:

Das ganze Szenario hat aber schon problematisch begonnen. Anas Motivation dazu, von ihm zu verlangen, ihr quasi das Schlimmste zu zeigen, was er auf Lager hat, war ja, sich damit die Erlaubnis zu erhandeln, ihn berühren zu dürfen. Das hat sie ihm aber nicht gesagt. So funktioniert eine Verhandlung aber nicht. Die Autorin vermittelt damit, dass es okay sei, etwas erzwingen zu wollen, indem man selbst auch etwas gibt, das man gar nicht zu geben bereit ist.

Christian hätte zudem gar nicht darauf eingehen dürfen, ihr sofort das Härteste zu zeigen. Er weiß, dass sie unerfahren ist, er weiß mit Sicherheit, dass sie ängstlich ist. Es wäre besser gewesen, sie hätten mit Soft Limits gestartet und sich dann langsam zusammen nach oben gearbeitet, um gemeinsam auszuarbeiten, was für sie das Limit wäre. So ist er aber direkt zu seinem eigenen Limit gegangen, was wiedermal zeigt, dass es ihm nur um ihn selbst geht und nicht darum, wie es seiner Sub geht.

Marc bringt mich da auf einen Punkt, auf den ich nachfolgend noch näher eingehen werde. Nämlich, dass es immer nur Christians seine Bedürfnisse geht und nicht um die von Ana.

Zunächst lasse ich Marc seine Ausführung zuende bringen:

Der Umgang mit Safewords wird auch im weiteren Verlauf der Geschichte nicht besser. Sie wechseln das Safeword, weil es Ana zu häufig vergisst. Was im Übrigen tatsächlich gängig ist, wenn das passiert. Es kommt zu einer Situation, in der er sie damit quält, ihr mehrfach den Orgasmus zu verwehren. Ana sagt dreimal das Safeword, allerdings das alte. Christian stoppt tatsächlich, was überraschend kommt, aber die Autorin geht an der Stelle überhaupt nicht darauf ein, warum Ana das Safeword benutzt hat. Anstelle Vertrauen aufzubauen und darüber zu sprechen, wie es nun üblich wäre, wechseln sie das Thema komplett und reden über Hyde.

Im Fazit zu dieser Sache also: Mag schon sein, dass die Autorin ihre Recherchen über BDSM-Beziehungen angestellt hat, aber unterm Strich hat sie sich dazu entschieden, alles im falschen Kontext darzustellen und daraus eine übergriffige Beziehung zu machen, in der Christian Grey lediglich BDSM als Entschuldigung für sein inakzeptables Verhalten heranzieht.

Nun noch zwei weitere Punkte von Behind the Scenes und dann gehen wir zum wirklich harten Tobak über.

13. Es lässt sich darüber streiten, wie original 50 Shades wirklich ist

Dass die 50 Shades of Grey Reihe auf Twilight basiert, wissen wir alle an der Stelle natürlich. Jane hat auf ihrem Blog eine tiefgehende Analyse zwischen 50 Shades of Grey und einer Fanficition namens “Masters of the Universe” durchgeführt. Rausgekommen ist dabei, dass eine Plagiatsoftware ganze 89 % Übereinstimmung zwischen beiden Werken festgestellt hat.

Long Story short: MOTU war die Fanfiction, die E.L. James selbst unter dem damaligen Pseudonym Snowqueens Icedragon erstellt hat.

MOTU-Fanfiction

Sie hat den Vampirismus gegen BDSM ausgetauscht, es war also eine All-Human-AU-Fanfiction. Später soll sie keine wirklichen Veränderungen mehr durchgeführt haben, lediglich die Namen ihrer Charaktere verändert haben. Heute gilt das Ganze als ihr originales Werk und zurecht fragen sich etliche Personen, inwieweit man das überhaupt so sagen kann.

  • Nicht nur Anastasia Steele hat die wesentlichen Charakterzüge von Bella Swan übernommen (inklusive dem Lippenbeißen!), sondern auch die anderen Charaktere stimmen hier perfekt überein. Zum Beispiel die etwas freiheitsliebenden Mütter des weiblichen Hauptcharakters, oder die liebevollen Adoptiveltern des männlichen Hauptcharakters. José übernimmt die Rolle von Jacob, mit dem Edward eine Zeit lang gewissermaßen konkurriert hat und natürlich stellt dieser Charakter in beiden Werken eine ethnische Minderheit dar. (Wenigstens gibt es in Twilight einige weitere relevante Charaktere, auf die das zutrifft…)
  • Die übereinstimmenden Details gehen noch tiefer: In dem Laden, in dem Ana zu Beginn arbeitet, gibt es einen Kollegen, der mit ihr flirtet. Das soll wohl Mike sein.
  • Es gibt in beiden Handlungen ein wichtiges Schlüsselerlebnis mit einem beinahigen Verkehrsunfall. Edward rettet Bella, genauso wie Christian seine Ana rettet, als sie beinahe in den Verkehr schlendert.
  • Bella hat ein uraltes Auto, Anastasia genauso.
  • Natürlich spielt Christian auf dem Piano, genauso wie Edward.
  • Christian hat zwei Geschwister. In Twilight werden Rosalie und Jasper als Zwillinge verkauft, wodurch Emmet, Alice und Edward offiziell als leibliche Geschwister gelten.
  • Als Äquivalent zum Umherspringen in den Wäldern wurde in 50 Shades of Grey das ständige Fliegen genutzt.

Das einzig signifikante andere Detail ist, dass Bellas leibliche Eltern geschieden sind und sie seit Beginn der Handlung bei ihrem Vater lebt, während Ana zunächst ihre beste Freundin zur Mitbewohnerin hat und sie zu einem ehemaligen Partner ihrer Mutter ein besseres Verhältnis als zu dieser zu haben scheint. Ihr leiblicher Vater ist verstorben.

Wenn man also weiß, dass die 50 Shades Reihe ursprünglich eine Twilight-Fanfiction war, sind die Übereinstimmungen ja beinahe schon lächerlich.

Lustig, dass ausgerechnet E.L. James dann 2012 einer Partyplanerin mit einer Klage gedroht hat, da diese versucht hat, James’ Bücher in ihre Arbeit einzubeziehen. Ihre Aussage unter anderem:

Man kann nicht einfach etwas einnehmen, das jemand anderem gehört.

Es kommt aber noch besser: 2001 kam ein Film namens “Secretary” raus, der sich genauso extrem mit dem deckt, was in 50 Shades passiert. Hat sie sich für ihre All-Human-FF also deutlich von diesem Film inspirieren lassen?

Eine junge Dame geht eine sexuelle Beziehung mit ihrem zurückgezogenen Chef ein. Es entwickelt sich eine dominant-unterwürfige Beziehung, den Rest kennt man ja. Und jetzt das Beste: Der Chef heißt Edward Grey.

Hier die IMDb-Seite von Secretary. Der Film soll übrigens wirklich gut sein und auch eine vertretbare Variante der BDSM-Szene darstellen. Unter anderem auf Reddit diskutiert man darüber zum Beispiel sehr rege.

Nach einiger Recherche habe ich aber noch viel interessantere Informationen gefunden.

14. Das Werk soll ein Ripoff von anderen Fanfictions sein

So schreibt zum Beispiel Andy auf seinem Blog:

Bis 2010 waren wahrscheinlich gut 75 % der produzierten Twilight-Fanfics All-Human. Es war buchstäblich eine lästige Pflicht, eine Fanfic zu finden, die etwas mit Vampiren zu tun hatte.

Fifty Shades war ein Teil davon. Viele Leute hier sagen, es sei eine Abzocke des Sekretärs, aber das ist es nicht. Es ist eine Abzocke eines anderen wirklich beliebten Twilight AH-AU namens „The Submissive“, geschrieben von TaraSueMe.

[…]

Im Grunde hat The Submissive also Tonnen von BDSM-Fic hervorgebracht. Fifty Shades war einer von ihnen. Dies ist wirklich wichtig, weil es auf eine sehr starke Praxis der kollektiven Zusammenarbeit in der Community zu dieser Zeit hinweist, die später die Wurzel vieler Wut sein sollte, als Erika veröffentlichte. Fast alles in ihren Büchern ist abgeleitet … und nicht abgeleitet von anderen Medien, und nicht einmal nur von Twilight, sondern direkt von anderen Twilight-Fanfics. Sicher, man könnte sagen, es war eine Abzocke von Secretary, aber in Anbetracht der Absicht ist Fifty Shades eigentlich eine Abzocke von The Submissive und Dutzender anderer wahnsinnig beliebter Twilight-Fanfics.

Na gut, kommen wir nun zu den wirklich heftigen Punkten (als wären die vorgenannten nicht schon schlimm und abusive genug).

15. Es geht nur um seine Bedürfnisse, nicht um ihre

Der Punkt kommt schon ganz gut im ersten Clip raus, den ich vorhin schon eingebettet habe. Als Ana den Spielraum von Christian betritt und sie darüber sprechen, was das überhaupt soll. Ich zitiere erneut:

Christian: “It means that I want you to willingly surrender yourself to me.”
Anastasia: “Why whould I do that?”
Christian: “To please me.”

Und das ist nicht das einzige Mal. Es geht andauernd nur darum, was Christian möchte und wie Ana das für ihn ermöglichen kann. Er will nicht, dass andere Typen sie sehen, er will sie nicht teilen, wir hatten das Thema ja zuvor schon.

Später versucht er, ihr mit seinen Aussagen á la “ich brauche das” einzutrichtern, warum sie Dinge tun soll, die er unbedingt will, ungeachtet dessen, wie ihre Gefühlslage dazu ist. Das geht dann von der bereits erwähnten Sache mit dem Annehmen seines Nachnamens bis hin zur gewählten Verhütung.

Diese Art der Manipulation wird Guilt Trip bezeichnet.

Dass du im Hinterkopf behältst, dass allein seine Bedürfnisse für ihn im Vordergrund stehen, ist wichtig für die nachfolgenden Punkte. Denn um das zu erreichen geht er sogar so weit, sie zu vergewaltigen.

Darüber hinaus gibt es in der ganzen Reihe keinen einzigen Moment, in dem er wirklich selbstlos handelt. Ihre teuren Geschenke bekommt sie, weil das Dinge sind, von denen er will, dass sie diese besitzt.

Als sie ihn am Ende vermeintlich verlässt, lässt er sie ohne Widerworte gehen, was nebenbei gesagt völlig out of character ist. Gleich daraufhin verfolgt er sie sofort wieder per Handyortung, was aber wie eine Heldentat gefeiert wird, weil er dadurch zufällig ihr Leben rettet. Sein Stalking wird einfach dadurch entschuldigt, dass er das Gefühl gehabt hat, etwas würde nicht stimmen. Er kommt natürlich zu keinem Zeitpunkt auf die Idee, dass sein übergriffiges Verhalten dazu führen könnte, dass sie ihn dann doch mal verlässt.

Auch sehr wichtig in dem Zusammenhang: Als sie über Verhütung diskutieren und Anas sehr nachvollziehbares Argument lautet, dass es immerhin ihr Körper sei, antwortet er, dass es seiner genauso sei. Und nur, um das wirklich eindeutig klarzustellen: Ja, er meint damit ihren Körper. Womit wir wieder bei dem Punkt wären, dass er wirklich der Meinung ist, sie zu besitzen.

In ihrem Vertrag wird ja außerdem auch schwarz auf weiß festgehalten, dass er sie jederzeit und ohne Angabe von Gründen aus seinem Dienst entlassen kann, während sie für selbiges extra um Erlaubnis bitten muss und es dann darüber hinaus in seinem Ermessen liegt, dem überhaupt nachzukommen. Ich zitiere erneut:

The Dominant reserves the right to dismiss the submissive from his service at any time and for any reason. The submissive may request her release at any time, such request to be granted at the discretion of the Dominant.

16. Er alkoholisiert sie, um sie gefügig zu machen

Als sie ihre Limits besprechen, alkoholosiert er sie gezielt, um sie mutiger zu machen und damit Ergebnisse zu erzielen, die mehr nach seinem Geschmack sind.

Ana fragt ihn sogar an einer Stelle, ob er sie absichtlich betrunken gemacht hat, was er bejaht. In dem Buch, das aus seiner Sicht geschrieben ist, gibt er es ebenfalls ganz offen zu, dass er das absichtlich tut, als es darum geht, die Limits zu besprechen.

Übrigens ein sehr wichtig in dem Punkt, was mir Marc noch mit auf den Weg gegeben hat:

In einer guten, verantwortungsvollen BDSM-Beziehung darf es keine Spiele unter Alkoholeinfluss geben. Will man dann Sex miteinander haben, dann muss dieser abseits jeder Bestrafung bleiben, da man nicht dazu fähig ist, denselben Consent zu geben, den man bei klarem und nüchternem Kopf geben würde.

Er gibt übrigens den eindringlichen Tipp, auch abseits einer BDSM-Beziehung nichts Neues im Schlafzimmer auszuprobieren, wenn man unter Alkoholeinfluss steht.

17. Er manipuliert sie gezielt, um mit ihr spielen zu können

Ana ist zum Zeitpunkt, an dem die Geschichte startet, noch eine Jungfrau. Christian weiß, dass Ana ihn will, als sie ihn dann fragt, was sie davon habe, wenn sie in diese Art der Beziehung einwilligt, ist seine Antwort: “Mich.”

Gleich daraufhin bombardiert er sie damit, was er sich von dieser Beziehung verspricht, ohne ihr wirklich Zeit zu geben, überhaupt darüber nachzudenken. Wir erinnern uns an der Stelle, dass er sie auch später gezielt einengt und ihr keine Gelegenheit gibt, über den Vertrag nachzudenken.

18. Er geht verwerflich mit ihrer Jungfräulichkeit um

Anas Jungfräulichkeit macht ihn einerseits ziemlich… nun ja, geil auf sie, da er seine besitzergreifende Natur vollends ausleben kann. Immerhin ist sie bislang von keinem anderen Mann berührt worden.

Sowie sie ihm eröffnet hat, dass sie noch Jungfrau ist, beginnt er sie zu küssen und nimmt sie mit ins Schlafzimmer. Als sie fragt, was er nun vorhabe, erwidert er, dass er die Situation nun “korrigieren wird”.

Dass er daraufhin im Film übrigens augenscheinlich sanft zu ihr ist, macht die Situation nicht wieder gut, dass er die Sachlage als eine Situation sieht, die dringend korrigiert werden muss. Er manipuliert sie und nutzt sie hier gezielt aus. Und im Buch ist ihr erstes Mal übrigens schrecklich. Ich zitiere aus dem Buch:

I’m going to fuck you now, Miss Steele… Hard.

Und dann wird beschrieben, wie er sich “durch ihre Jungfräulichkeit reißt”, was sie “aufschreien lässt”.

(Wie war das nochmal, die Autorin hat ihre Fantasien in der Reihe ausgelebt…?!)

Das nächste Mal ist übrigens auch nicht besser, denn ich zitiere erneut aus dem Buch:

“I want you sore, baby,” he murmurs, and he continues his sweet, leisurely torment, backward, forward. “Every time you move tomorrow, I want you to be reminded that I’ve been here. Only me. You are mine.”

Genau das ist es, was man mit einer unerfahrenen Frau im Bett macht. NICHT.

19. Christian vergewaltigt Ana

Eigentlich verlangt Ana Abstand von ihm, der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet und sie ist gerade dabei, ihrem eigenen Leben nachzugehen. Ganz unangemeldet und wohlgemerkt auch unerwünscht taucht Christian bei ihr zu Hause auf und versucht sie zu verführen. Sie sagt ihm (zumindest im Buch) sehr eindeutig, dass sie keinen Sex will und sie stattdessen reden will. Es wird beschrieben, wie sie sogar versucht, ihn von sich zu kicken.

Seine Antwort:

If you struggle, I’ll tie your feet, too. If you make a noise, Anastasia, I will gag you. Keep quiet. Katherine is probably outside listening, right now.

Und dann wird beschrieben, wie sie den Sex zu genießen beginnt, zu dem er sie zwingt. Übrigens ist dieses “aber sie genießt den Sex ja” das liebste Argument von Die-Hard-Fans, die 50 Shades verteidigen und auf Biegen und Brechen zu argumentieren versuchen, dass es dann gar keine Vergewaltigung sein kann.

  1. Sie hat “nein” gesagt und “nein” heißt nein.
  2. Wer sich darüber hinweg setzt und den Geschlechtsverkehr trotzdem durchsetzt, erzwingt diesen.
  3. Ist es tatsächlich aufgrund körperlicher Reaktionen möglich, dass das Opfer einer Vergewaltigung den Sex zu genießen beginnt, ohne das aber selbst zu wollen.
  4. Bleibt erzwungener Sex, bei dem die Frau zufällig “auf ihre Kosten kommt”, wie das so schön argumentiert wird, (im Sinne von: sie hat einen Orgasmus), trotzdem erzwungener Sex.

Wie man es dreht und wendet, es bleibt eine Vergewaltigung.

Übrigens plant Jack Hyde offenbar (jedenfalls im Buch), Ana zu vergewaltigen. Ich darf erneut aus dem Buch zitieren:

“The cops found… things in the van.” He stops again and tightens his hold around me.

“What things?”

He’s quiet for several moments, and I open my mouth to prompt him, but he speaks. “A mattress, enough horse tranquilizers to take down a dozen horses, and a note.” His voice has softened to barely a whisper while horror and revulsion roll off him.

Das scheint ihn dann offensichtlich zu stören. Vermutlich, weil Christian der einzige Mensch auf Erden ist, der seiner Meinung nach Ana vergewaltigen darf. Und offensichtlich auch ihrer, was uns zum zuvor beschriebenen Stockholm Syndrom zurückbringt. Denn aus einem unerfindlichen Grund verzeiht sie dem Kerl einfach alles, was ein wichtiges Indiz darauf ist, dass sie ein klassisches Opfer einer übergriffigen und gewalttätigen Beziehung ist.

Und die Autorin benennt es nie. Kein Wunder, sonst müsste sie schließlich auch dazu stehen, dass sie schon zuvor einmal eine Vergewaltigung in ihrem Werk hat geschehen lassen.

20. Und auch sonst ist ihm egal, wenn sie “nein” sagt

Ich zitiere erneut aus dem Buch:

Anstasia: “And if I break one of the Rules?”
Christian: “Then I’ll punish you.”
Anstasia: “But won’t you need my permission?”
Christian: “Yes, I will.”
Anstasia: “And if I say no?”
Christian: “If you say no, you’ll say no. I’ll have to find a way to persuade you.”

This is not, how this works!

Wenn sie “nein” sagt, dann bleibt es dabei. Es ist dann nicht seine Aufgabe, BDSM-Beziehung oder nicht, einen Weg zu finden, sie umzustimmen!

Gleichzeitig stellt er auch sehr direkt in den Raum, dass es nach einem “ja” keine Meinungsänderung mehr geben darf, wenn es ihr dann doch zu heftig wird. Denn er erinnert sie an einer Stelle:

“We’re here because you said yes, Anastasia. And you ran from me. I am going to hit you six times, and you will count with me.”

Also ich für meinen Teil kann sehr gut verstehen, warum seit der ersten Veröffentlichung Organisationen, die sich dem Thema der häuslichen Gewalt widmen, praktisch schnappatmend im Kreis laufen, denn die Reihe stellt etwas dar, das nicht auch nur im Entferntesten einer gesunden Beziehung ähnelt.

Kommen wir zum Fazit

Ich lasse mich ja ohnehin immer wieder mal über 50 Shades of Grey aus, aber nun musste einfach mal alles in einem Blogeintrag festgehalten werden, weil es einfach so viel ist und sich das nur schwer in wenigen Tweets zusammenfassen lässt.

Diese Geschichte, ob Bücher oder Filme, bewirbt die falschen Ideen, dass es in Ordnung ist, ja sogar liebevoll und romantisch, eine toxische und manipulative Beziehung zu führen und dass das Opfer in einem solchen Verhältnis den Täter zum Positiven verändern wird. Das ist nicht nur unrealistisch und falsch, sondern unglaublich verwerflich. Darüber hinaus wird die ganze BDSM-Szene einmal mehr mit massiven Vorurteilen konfrontiert, dass es sich bei diesen Spielereien ja sowieso nur um übergriffiges Verhalten handeln würde.

50 Shades of Grey ist ein Hohn für Opfer von #metoo, für Überlebende aus gewalttätigen Beziehungen, und es macht sich stumpfsinnig über wirklich gravierende Themengebiete her, von persönlichem Freiraum bis hin zur Vergewaltigung in einer Partnerschaft.

Das. Ist. Nicht. Okay. Und auch du solltest schleunigst aufhören, all das zu glorifizieren, wenn das noch nicht der Fall ist.


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