Daily Life

The Call in the Night

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Wohnzimmer auf unserem Sofa und lausche dem Tapsen von Kukkie und wie er putzmunter in seinem Hamsterrad läuft. Durch das gekippte Schlafzimmerfenster kann ich hören, wie ein Zug über die Gleise schrammt, die nur wenige hundert Meter entfernt von unserem Wohnhaus liegen. Der Gedanke daran, dass ich sie selbst bei geschlossenem Fenster in einer für mich so nervigen Lautstärke vernehmen könnte, hilft mir dabei, mich nicht groß darüber zu ärgern. Den damit verbundenen Effekt kann jener Gedanke allerdings auch nicht beseitigen.

Liege ich im Bett, höre ich meinen Freund atmen. Den Menschen, den ich über alles liebe. Und dennoch sind es die von ihm und von meinem geliebten Haustier verursachten Geräusche, sowie auch die der Welt, in der ich lebe, die mich davon abhalten, friedlich schlafen zu können.

Ich bin ausgelaugt, schlafe irgendwann ein, wenn ich lange genug über Gott und die Welt nachgedacht habe und arbeite daher oft bis spät in die Nacht hinein. Es ist anstrengend, da mein Stresslevel derzeit ohnehin ein gewisses Maß erreicht hat, wann immer ich aufwache. Wegen der aggressiven Veränderungen, mit denen ich vor Wochen und Monaten bereits konfrontiert worden bin. Und dennoch verfolgen sie mich bis heute in den Tag hinein.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mit meinem Freund gestritten habe, weil er meine für ihn so plötzlich trotzende Reaktion nicht verstehen konnte. Für ihn war es unerklärlich, aus welchem Grund ich auf einmal, ganz augenscheinlich aus dem Nichts, einen Meltdown hatte. Mir ist es zum ersten Mal in der Öffentlichkeit passiert, was mir so unsagbar peinlich ist. Mein Handy ist dem Asphalt entgegengeflogen. Es funktioniert noch, doch bald wird wohl ein neues fällig, da es mittlerweile einfach total zerkratzt ist, einen Sprung hat und längst nicht mehr so wasserdicht ist, wie es sein sollte. Das hört sich jetzt aber im Übrigen viel schlimmer an, als es ist. Da ich ja weiß, wo es kaputt ist, eine außenstehende Person aber nicht, sieht es für sie einfach wie ein Handy aus, das einmal zu viel auf Asphalt gelandet ist.

Jedenfalls habe ich mit meinem Freund, dem Helden meiner persönlichen Geschichte, ein langes Gespräch geführt. Ihm erklärt, dass mir die Sache mit meiner ehemaligen Freundin und auch die mit Dianas Freund noch immer nachhängt und ich deshalb schon den größten Teil meiner Energie brauche, um überhaupt aufzustehen. Meine Welt liegt einfach in Bruchstücken hinter mir, so fühlt es sich jedenfalls an.

Der Gedanke daran, dass sich das in einem halben Jahr ganz grundlegend ändern wird, gefällt mir. Es ist ein großer Hoffnungsschimmer, ein helles Licht an meinem inneren Horizont. Etwas, das mir so wichtig ist, dass ich einen Rückwärtskalender angelegt habe, um alle Tage durchzustreichen, bis 2017 zu Ende ist. Ich hasse dieses Jahr.

Mich ärgert es, dass ich meine Meltdowns nicht unter Kontrolle bringe im Moment. Zum ersten Mal seit einer langen, langen Zeit habe ich es geschafft, von diesen elenden Depressionen wegzukommen. Was aber auch zum Teil Freunden aus meiner Kindheit zu verdanken ist, mit denen ich einige Zeit verbracht habe.

Sie haben mich daran erinnert, auf keinen Fall zu vergessen, dass ich stark bin. Dass ich es geschafft habe, meine Essstörung in den Griff zu bekommen und dass es zum ersten Mal überhaupt realistisch ist, wirklich Gewicht zu verlieren. Ich habe es geschafft, aus meinem Tief zu klettern. Bin erfolgreich dabei, was ich tue und gebe mein Bestes, ausgleichende Ventile zu finden.

Ich weiß gar nicht, warum ich diese Zeilen eigentlich schreibe. Vielleicht, weil es manchmal ganz gut ist, sich diese Punkte von der Seele zu erzählen.

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