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Sind die Medien noch zu retten?

422 Seiten, ISB-N: 978-3907100882, Verlagswebsite
verfasst von Thilo Baum & Frank Eckert, unter dem Genre Journalismus, Kritik
hier kaufen – Taschenbuch 17,90€

Dieses Buch wurde mir durch BloggdeinBuch.de zur Verfügung gestellt.

Das Buch ist kritisch der Gesellschaft gegenüber. Es ist politisch, spritzig und zugleich provokant geschrieben. Doch diese Portion an Provokantion benötigt man, um an genau jenes Thema ranzugehen und dabei nicht allzu trocken zu werden. Dennoch habe ich mich an manchen Stellen gefragt, warum nun eigentlich darüber geschrieben wird, was ich soeben lese.

Insgesamt weist das Buch 418 Quellen auf. Am Ende davon gibt es 14 Seiten lang Literaturempfehlungen sowie Sachwort- und Personenregister. Und nachdem ich das Buch beendet habe, weiß ich gar nicht mehr so wirklich, was genau ich nun gelesen habe. Ein Statement? Eine Anregung, um über das Gelesene nachzudenken? Bloß niedergeschriebene Zeilen einer kritisch hinterfragenden Gruppe von Personen? Es ist unklar, was für ein Ziel sich dieses Buch gemacht hat und das stört mich irgendwo. Einzig durch die Buchbeschreibung bekomme ich ungefähr ein Gefühl davon, was dem Leser hier vermittelt werden soll:

Immer mehr Menschen beklagen, was sie sehen, hören und lesen. Die Medienkritik nimmt zu – bis hin zum Vorwurf der „Lügenpresse“. Doch welche Kritik ist berechtigt und welche nicht?  Zwei Journalisten analysieren die Publizistik der Gegenwart und finden zahlreiche Verstöße gegen das journalistische Handwerk. Die Medien sind zu retten, ja – wenn sich Journalisten aufs Handwerk zurückbesinnen. Mehr berichten statt polemisieren, Bericht und Kommentar trennen, Journalismus machen statt Politik – all das sind die Forderungen. Solange Medien sich daran nicht halten, tragen sie massiv zum Rechtsruck in der Gesellschaft bei.  Ein Buch für Medienmacher und Mediennutzer. Denn guter Journalismus ist heute so wichtig wie kaum zuvor.

Man liest sich durch die Seiten, möchte das Schriftstück tatsächlich nicht so schnell weglegen. Fesselnd ist es also, keine Frage. Trotzdem bleibt ein gewisser, nicht zu definierender Beigeschmack, wenn man über die Abschnitte stolpert, in denen plötzlich über politische Sprache oder die Unterschiede zwischen erster und zweiter Klasse der Bahnkunden sinniert wird. Klar, ich kann es nachvollziehen, warum das angeschnitten wird. Dennoch gehört es für mich nicht unbedingt zu der Frage, die das Buch mit seinem Titel impliziert: Sind die Medien noch zu retten?

Die Frage wird in einer gewissen Art und Weise beantwortet. Zwar durchaus mit einer gewissen Portion Realismus und gleichzeiti auch etwas zynischem Beigeschmack, aber dennoch. Als Buchkritiker fühle ich mich nicht vollständig zufriedengestellt. Dass hier so klar gesagt wird, die Medien würden ungewollt zum Rechtsruck in Deutschland beitragen, finde ich nicht in Ordnung. Wirklich gute Argumente sind nicht erbracht worden, um mich von dieser Ansicht zu überzeugen. Viel eher scheinen mir diese Zeilen äußerst beeinflusst von der politischen Einstellung der Autoren.

Gut hingegen finde ich, dass hier auch auf das Stille Post Verhalten eingegangen worden ist, das durch die Nutzer der Medien oft geschieht. Ja. Durch diejenigen, die das lesen. Wenn ich also schon einen solchen Ansatz schaffe, dass sich etwas politisch gesehen stark nach rechts bewegt, darf ich nicht einfach die vermeintliche Quelle davon zum Buhmann machen, ohne mich dabei selbst fast ein wenig lächerlich zu machen.

Durch die vielen Quellen fühle ich mich ein wenig zwangsüberzeugt davon, dass hier gute journalistische Arbeit geleistet worden ist. Doch habe ich keinerlei Lust, jeden einzelnen Link hiervon abzutippen und zu überprüfen. Keineswegs stelle ich dabei die geleistete Arbeit in Frage, aber im Großen und Ganzen fühlt es sich an, als würde sich hier nicht an die eigenen Ansätze gehalten werden. Oder eben nicht genug. Denn auf der Buchrückseite steht geschrieben, dass die beiden Autoren Tipps liefern, wodurch Medien wieder mehr zu Glaubwürdigkeit zurückfinden würden. Einer davon wäre, dass Journalismus statt Politik betrieben wird. Von Autoren, die selbst schreiben, dass es eine Frechheit wäre, wie heutzutage von Links der Zwang zum Gendern und von Rechts der Zwang zur Vermeidung von Denglisch kommt. Manche Zeilen hätten ein wenig Entschärfung benötigt, dann würde auch diesem Buch zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen. Das macht auch den Punkt Abzug aus, denn ansonsten habe ich mich sehr gut davon unterhalten gefühlt.