Schluss-mit-dem-Texten-für-andere
Daily Life

Ich höre auf, für andere zu texten

Ich höre auf. Hab keine Lust mehr. Ich schmeiß hin. Drei Sätze, die mir seit Wochen, nein sogar Monaten, immer und immer wieder im Kopf herumtanzen.

Und immer wieder habe ich sie ignoriert, hab meine Gedanken stumm geschaltet und weitergearbeitet. Nicht merkend, dass ich mich dadurch allmählich ruiniere.

Aber mal ganz von vorn.

Im Januar 2017 habe ich einen weiteren Gewerbeschein für mein Unternehmens-Sammelsurium angemeldet, um neben meinem Shop auch noch mit meinen Blogs Werbeeinnahmen verdienen zu können. Und zwar auf Wegen, die nicht mehr in die Freiberuflichkeit fallen; Partnerprogramme, Adsense, usw.

Ich hatte nach Rücksprache mit einer Dame von der WKO überlegt, ein Ankündigungsunternehmen anzumelden, als jemand auf mich zukam mit dem interessanten Angebot, für ihn bzw. seine Webseite doch Texte zu verfassen. Also wurde aus dem Ankündigungsunternehmen dann eine Werbeagentur, im Rahmen derer ich mehr als 1.000 Aufträge seit 2017 abgeschlossen habe.

Ich mag diese Branche nicht

Nicht die Werbebranche, sondern die Branche der Texterstellung. Die Business-Kultur und der Umgangston, die hier vorherrschend sind.

Seit 2013 bin ich eine Unternehmerin. Ich bin professionell und gerne mit anderen Unternehmern auf einer Augenhöhe. Was mir hier aber für Geschehnisse untergekommen sind, die suchen wirklich ihresgleichen.

Dass eine furchtbare Zahlungsmoral vorherrscht, kommt in fast jeder Branche vor. Nachdem ich schon vor einigen Monaten mal fast alles hingeschmissen hätte, weil ich andauernd mahnen musste (und viele Fälle gingen sogar zum Inkasso), habe ich auf reine Vorauszahlung umgestellt. Das hat dann gut funktioniert, ich habe halt einen ganz anderen Kundenstamm kreiert – aber das war mir gleich. Hauptsache, man bezahlt mich für die Arbeit, die ich leisten soll.

Dann aber habe ich mal einen Durchschnitt gezogen. Und war überrascht. Aber nicht im positiven Sinne.

Horrorgeschichten aus der Texter-Branche

80 % aller Kunden akzeptieren keine Paket- oder Pauschalpreise. Wortpreis hier, Wortpreis da. Okay, dann kalkulieren wir runter. 10 Cent/Wort wäre das, was ich mindestens veranschlagen muss, um auf meinen Stundensatz von € 75,- netto zu kommen. Ich bin nach wie vor Kleinunternehmerin (hier in Österreich sind die Grenzen wesentlich höher, als in Deutschland und alles, was per Reverse Charge läuft, fällt in die Zählung nicht hinein), daher bleibt das natürlich netto. Also ein toller Deal. Pauschal € 150,- für einen hochwertigen Text von einer erfahrenen Bloggerin, die seit 16 Jahren online aktiv ist und SEO beherrscht, ist vollkommen legitim. Wisst ihr, was das durchschnittliche Angebot für einen solchen Text war? € 50. Und dann hat sich besagter “Auftraggeber” auch noch benommen, als würde er mir einen Gefallen tun. Außer Frage natürlich, dass ich das nicht angenommen habe.

Aber das ist ja nicht alles. Es war von dem Typen, der mich online schlecht gemacht hat und Rufschädigung betrieben hat, weil ich ihm zu teuer war bis hin zu einer kleinen Agentur, die mich zwölf Monate auf mein Geld hat warten lassen, während mein ebook und all meine Texte, die ich für sie geschrieben habe, schon fleißig online waren und wohl Umsatz generiert haben einfach alles dabei.

Ich wurde gefragt, ob ich es denn so nötig habe, nachdem ich nach mehreren Vertröstungen höflich nachgefragt habe, ob die besprochene Zusammenarbeit nun angegangen werden könne. Oder ob es meinen Freund nicht störe, wenn ich mit männlichen Kunden schreibe. Wie ich denn sicherstellen will, dass ich keine solche Enttäuschung sein werde, wie die vorherige Texterin. Und in 99 % aller Fälle sollte ich doch bitte erst einen kostenlosen Probetext schreiben, bevor man entscheiden kann, ob man mit mir zusammenarbeiten möchte. Weil ja fünf Referenzen zum selben Thema nicht ausreichend wären.

Wochen später wurde ich gefragt, ob ich nicht doch noch kostenlos eine Neuversion schreiben könne, die bisherige gefällt plötzlich nicht mehr. Ein anderer Kunde verstehe selbstverständlich, dass auch Recherche einen Aufwand bedeute. Aber man habe nicht das Geld, um mich zu bezahlen, ich soll es also bitte ehrenamtlich machen – damit er dann später passive Einnahmen durch meine Texte hat. Und passend zum Thema: Man kann mir keine Entlohnung anbieten, aber eine Beteiligung an den Einnahmen wäre drin. Dass ich als Unternehmen keine Entlohnung, sondern ein Honorar berechne, zeigt, wie herabwürdigend in dieser Branche oft mit den Dienstleistern umgegangen wird.

Manches Mal habe ich gedacht, es liegt an der falschen Kundengruppe. Also bin ich Zusammenarbeiten mit anderen Agenturen eingegangen. Auch hier konnte ich oft länger auf mein Geld warten, als vereinbart war. Komplett egal, ob das nun mit dem Zahlungsdatum auf der Rechnung oder den Vertragsdetails nicht übereinstimmte. “Wir müssen über den Preis reden.”, habe ich gehört, nachdem ich zweimal eine Rechnung á € 400,- ausgestellt habe, weil man mir ja so viele Aufträge gibt und da doch ein besserer Preis drin sein muss. Wieder eine andere Agentur hat es nie geschafft, mir pünktlich die Infos des Kunden zukommen zu lassen. Am Ende wurde übrigens nicht einmal kommuniziert, dass ich die Autorin war. Die Agentur hat sich mit meinen Lorbeeren geschmückt und hat ein “Alles aus einer Hand”-Programm dem Kunden gegenüber kommuniziert.

Postet man in manchen Facebook-Gruppen ein Inserat, können es so manche Texter gar nicht erwarten, es zu zerreißen. Sei es nun Auftraggeber oder Auftragnehmer, völlig wurscht. Sie sind so genervt von 1-Cent-Plattformen, dass sie davon ausgehen, dass sowieso jeder nur mehr Böses will. Aber ich kanns ihnen nicht verübeln, man wird eben zynisch. Trotzdem landet jeder dieser Ungustler auf meiner Blockier-Liste, die mittlerweile eine solche Länge hat, dass nicht einmal alle Personen auf einmal angezeigt werden, wenn ich diese aufrufe.

Ich bin es einfach nur noch leid

Es macht mich müde. Ich will nicht andauernd mit einem Anwalt in Verbindung stehen, ich will einfach mal meine Arbeit machen und meine Ruhe haben. Mich nicht andauernd anpöbeln und schräg anquatschen lassen. Nicht regelmäßig gefragt werden, was denn so schwer dran zu verstehen sei, dass man mich so-und-so bezahlen will, anstatt dass man entweder mit ja oder nein auf mein Angebot antwortet, das man im Übrigen zuvor von mir eingefordert hat.

Ich geh ja auch nicht zu einem Autohändler, will die Vollausstattung und schlag ihm dann vor, dass ich ihn mit Äpfeln bezahle. Und wenn er dann sagt, dass ich den Wagen wie jeder andere Käufer auch entweder mit ganzer Zahlung oder ggf. noch einer Teilzahlung kaufen könnte, frag ich dann, was da dran so schwer zu verstehen sei, dass ich mit Äpfeln zahlen will. Das ist der Inbegriff des Umgangstons, der in dieser Branche herrscht. Nach drei Jahren mit andauernd solchen pöbelnden Menschen habe ich die Nase gestrichen voll.

Nein, es sind nicht alle so

Aber dieser kleine Anteil von gefühlt 2 % aller Menschen, mit denen ich in den letzten 36 Monaten in Kontakt gestanden bin, reicht einfach nicht dazu aus, dass man das gerne macht.

Meine Zeit ist mir zu kostbar, um immer wieder runterzuschlucken und mir sowas gefallen zu lassen.

Ich führe mein eigenes Unternehmen. Korrigiere, meine eigenen Unternehmen (Mehrzahl!) und habe es garantiert nicht nötig, mich behandeln zu lassen, als wär ich der Mitarbeiter, der froh sein muss, gerade noch so nen Job gefunden zu haben.

Meine Webseiten, mein Shop – alles lasse ich schleifen für eine Arbeit, die mich nur noch unglücklich macht und von der ich mich mehr unter Druck gefühlt habe, als das je in meiner Zeit als Angestellte der Fall gewesen ist.

Es ist Zeit, die Reißleine zu ziehen. Ich höre auf, für andere zu texten.

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