Piece of Life

& ich frag mich nur: “Warum?”

Ich muss mal wieder mit euch diskutieren & vor allem meine Gedanken mit euch austauschen. Aus gegebenem Anlass werden in einer Gruppe, in der ich auf Facebook Mitglied bin, aktuell Vorwürfe zum Thema Selbständigkeit gesammelt. Anfangs war das noch sehr amüsant zu lesen und ich hab auch selbst den einen oder anderen Satz darüber angehängt – mittlerweile aber habe ich mich nachdenklich darüber geäußert und kassiere teils heftigen Gegenwind. Dabei beginne ich mich zu fragen, warum Selbständige oft alles so sehr auf die Waagschale legen.

Vom eigenen Partner zu hören, dass man doch ständig Urlaub hätte, ist fies, klar. Aber da mangelt es meiner Meinung bereits nach an der Wertschätzung, welche die Leute einander zukommen lassen und das kann grundsätzlich schonmal nicht gut für die Beziehung sein.

Klar – auch mich ärgert es kurzzeitig, wenn ich ständig höre “Oh, ich will jetzt auch selbständig sein, bei dir sieht das so einfach aus.” – aber schonmal darüber nachgedacht, dass das auch irgendwo ein Kompliment ist? Ahh, ja, ich sehe schon die ersten Argumente auf mich zukommen, dass ich doch alles wörtlich nehme und mir natürlich leichter dabei tue, hier die Worte nicht allzu negativ zu sehen. Oh come on, echt jetzt?

Ich bin selbständig – seit 2013. Klar, ich hab einen Lebensgefährten, der mich in allen Belangen unterstützt und selbst auch sieht, wie viel Arbeit damit verbunden ist. Er sieht mich sprichwörtlich in den sauren Apfel beißen und wie ich an Feiertagen oder am Wochenende am PC sitze, um dringende Arbeiten zu erledigen – oder einfach, um für die Mailflut am kommenden Montag gewappnet zu sein. Jedes Mal, wenn sich die schlechte Zahlungsmoral bei Dienstleistungen und Firmenkunden, die diese erhalten, bemerkbar macht (das ist kein Witz, selbst unsere Wirtschaftskammer gibt dazu aktuell Infoveranstaltungen, weil die Lage so kritisch ist, was das anbelangt) und Kunden einfach die Zahlungsfrist unnötig hinauszögern und dabei einen knapp vierstelligen Betrag nicht bezahlen, kriegt er den Stress mit, der damit verbunden ist. Aber naja – that’s the life of entrepreneurs. Natürlich schlägt einem eine solche Situation übel auf. Vor allem dann, wenn man Mitarbeiter hat und damit eine Verantwortung über Menschen und Familien trägt. Wer sich aber von so etwas einschüchtern lässt, sollte womöglich einfach nicht selbständig sein. Dass man hier ein gutes Nervenkostüm braucht, ist längst nur mehr ein offenes Geheimnis.

Der Kunde beginnt zu scherzen, dass ich mittags antworte und fragt, ob ich auch schon wach sei? Meine Güte, solche Scherze kursieren sogar zwischen mir und meinen Textern, wir ziehen uns immer gegenseitig auf. Es nützt auch, über gewissen Aussagen einfach drüber zu stehen und stattdessen Vorteile bewusst im Auge zu behalten.

Bleiben wir bei der Branche der Texter, denn im Shop habe ich keine freien Mitarbeiter. In der Agentur beschäftige und beauftrage ich ausschließlich freie Texter. Der klare Vorteil hier ist, dass jeder von ihnen arbeitet, wann, wie und wo er möchte. Für mich als Chefin bedeutet dies, dass ich durchaus auch mal um 22 Uhr abends eine Frage per WhatsApp oder Skype oder Mail bekomme – und dann natürlich für denjenigen da sein möchte. Binnen weniger Wochen habe ich hier ein System aufgebaut, von dem ein Teamgeist trotz Selbständigkeit ausgeht. Klar – wer ausschließlich sein eigener Chef sein will, ist nicht für so etwas geschaffen, aber es gibt auch Personen, die als freie Mitarbeiter einfach davon profitieren möchten, die ganzen unangenehmen Aufgaben abgenommen zu bekommen, die man als Selbständiger hat und dafür dann die Vorteile davon zu genießen: Dass man als Selbständiger doch auch mal sehen sollte, wie toll es ist, einfach im Pyjama am PC zu sitzen, Pause zu machen, wann man möchte und sich hin und wieder einfach von witzigen Videos oder Diskussionen auf Facebook mitreißen zu lassen. Ich liebe es, neben meiner Arbeit am Shop einfach irgendwelche YouTube-Videos laufen zu lassen oder meine Eltern besuchen zu können, wann immer ich Lust darauf habe. Da rutschen mir doch Bemerkungen darüber, dass ich doch nonstop Urlaub hätte und ob man davon überhaupt leben kann, den Buckel runter. Was ist das überhaupt für eine Frage, ob man davon leben könne? Die Leute würden das doch nicht tun, wenn sie davon fast unter der Brücke hocken würden.

Was glaubt ihr, wie oft ich von irgendwelchen Personen gefragt werde, ob ich mir mit der Agentur ein zweites Standbein geschaffen habe oder schaffen möchte, weil der Shop zu schlecht läuft? Na sollen sie doch. Dass dadurch aktuell die Conventions leiden und die kommende Animuc die erste dieses Jahr ist, die ich besuche, sehen sie nicht. Wie denn auch, die können doch keine Gedanken lesen!

So, genug geplappert – erzählt mir doch gerne, was ihr so darüber denkt. Über das Thema im Allgemeinen: Seid ihr selbständig und seht das auch so eng, wenn euch jemand so einen Kommentar entgegenbringt oder nehmt ihr das eher locker auf, wie ich? Bin gespannt!

5 Kommentare

  • Shiropi

    Inspirierend, deine Worte! Ich hab auch oft das Gefühl, dass sich solche Leute nicht selbständig hätten machen sollen, wenn sie von solchen Kleinigkeiten genervt sind. Dass du Gegenwind für deine Argumentation erhältst, war abzusehen. Wie sieht der denn aus? Du solltest dich freuen, wenn alles gut läuft für dich? xD ich glaub einen Unterschied macht es auch nochmal, was man vorhat. Es gibt Selbständige, die einfach ihr eigener Chef sein wollen und dann ist Ende weil Ziel erreicht. Du hast ja ganz andere Dinge vor und dass dich bei ner Lage, wo du eigene Mitarbeiter hast, so Kommis eher kaltlassen, is auch nachvollziehbar. ^^

  • Wren

    Ich empfinde Facebook immer mehr als einen Pool an Selbstdarstellern, Missgünstigen und chronisch mit sich selber Unzufriedenen. Dann gibt es da noch die luxusjammernden Komplimentefischer. Ehrliche, konstruktive Meinungen sind selten geworden, wertvolle Diskussionen noch seltener. Ich nehme darum Kommentare zu meiner Selbstständigkeit (ich bin übrigens freier Texter), gerade auf Facebook sehr locker. Wichtiger sind mir da die Aussagen von Freunden und Kunden.
    Wren

      • Wren

        Vielen Dank. Ich denke, gerade als Selbstständiger ist eine Art “Geistige Hygiene” sehr wichtig, und dazu gehört auch, zu entscheiden, welche Kommentare ich an mich ran lasse und im Zweifelsfall halt, einfach weniger Zeit mit Menschen oder Dingen (oder Foren) zu verbringen, die mir nicht gut tun (aus welchem Grund auch immer).
        Einen sehr schönen Blog hast du hier, ich komme gerne wieder.

        Viele Grüße
        Wren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.