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die besucher

Der Journalist Martin Koller liegt im Krankenhaus und kann nicht schlafen. Er wird von merkwürdigen Ohrgeräuschen gepeinigt, die ihn in eine tiefe Depression stürzen. Dass seine Frau um jeden Preis ein Kind von ihm will und ihm ein junger ehrgeiziger Kollege in seine Recherchen im rechtsextremen Milieu hineinpfuscht, macht es nicht besser. Da erfährt er, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er rafft sich auf und macht sich auf den Weg zurück in den Ort seiner Kindheit. Ein paar Tage ist er mit seiner Mutter allein. Dann kommen sie, die Besucher, und nehmen das ganze Haus in Beschlag. Sie sind überall: im Keller, in den Zimmern, auf dem Dachboden. Niemand weiß, woher sie kommen, niemand weiß, was sie wollen. Eine Ärztin, die Martin noch aus Jugendtagen kennt, ruft ihn an – sie hat eine rätselhafte Entdeckung gemacht. Ein Alptraum beginnt.

Das Buchcover macht das Ganze schon sehr interessant, was auch ursprünglich mein Beweggrund war, mich für ausgerechnet dieses Buch zu bewerben. Nachdem ich es gelesen habe, muss ich leider sagen, dass ich es bereue und hätte ich das Buch gekauft gehabt, hätte ich mich danach wohl fürchterlich geärgert. Als Liebhaber von gruseligen Szenen / Filmen / Bücher schien dieses hier als gefundenes Fressen. Während des Lesens habe ich mir einige Notizen gemacht, die ich unbedingt in dieser Bewertung hier ansprechen möchte. Nachdem ich euch meine Auflistung des Gesamteindrucks gezeigt habe, geht es auch schon los damit.

Buchcover Weckt ein gewisses Interesse im Leser.
Einleitung Wirkt viel zu monoton, Spannung geht verloren.
Wortwahl Es wird zu viel Dialekt und Fäkalsprache verwendet.
  Details Der Autor geht zu tief in Nebenstränge und Details ein.
Lesefluss Durch ständige Listen unterbricht man regelmässig.

Mit seinen 276 Seiten ist das Buch nicht gerade lang ausgefallen. Da der Autor während einzelnen Handlungssträngen plötzlich irgendwelche Auflistungen einbaut, wirkt das Ganze als würde er Platzhalter benötigen und wüsste gar nicht, wie er das Buch genügend in die Länge ziehen könnte, um ein Lesevergnügen zu bereiten, das einem gespannten Leser zuteil kommen sollte. Die Auflistungen der Medikamente und ihrer eventuellen Nebenwirkungen wären ja noch zu verkraften, sieht sich der Protagonist doch von einem schweren Hörsturz geplagt. Aber dass dann auch immer wieder Auszüge aus irgendwelchen Liedern auftauchen, genauso wie ein Gebet, das über die ganze Seite geht oder irgendwelche To Do Listen, die Martin Koller für sich anlegt und immer wieder erweitert, auftauchen – das wird eindeutig zu viel.

Die Handlung wirkt aufgezwungen, die Situationen schlagen zu schnell um. So kommt eine Krankenschwester ins Zimmer, um mit Martin zu reden, er denkt sie seine eine blöde Kuh und schon ist das Gespräch wieder rum. Ein bisschen übertrieben, aber bei der hektischen Schreibweise kommt das so rüber – man fühlt sich gestresst, als würden einem die Buchstaben wie Sand in den Händen zerrinnen.

Weiters ist mir gleich auf den ersten Seiten aufgefallen, dass direkte Sendungen von ORF 1 und ORF 2 erwähnt wurden. Die Freizeitbeschäftigung von Martin wird also bis ins letzte Detail erläutert. Außerdem kommt – egal ob in seinen Gedankengängen oder bei irgendwelchen Dialogen – zu viel Detail heraus. Man wird mit Jahreszahlen beworfen, als würde man hier eine Biografie und keinen Roman lesen. Dass im weiteren Verlauf des Buches dann ständig Fäkalsprache und österreichischer bzw. genauer gesagt wiener Dialekt verwendet wird, ist auch eher unpassend. Das Buch mag zwar von einem Österreicher kommen, sollte man aber auch Rücksicht auf das deutsche Publikum nehmen. Wörter wie Fauteuil, Sandler, Plastiksackerl oder grauslich mögen vielleicht dem ein oder anderen bekannt sein, aber mindestens jeder dritte Leser wird für wenigstens ein Buch Google oder ein Wörterbuch benötigen. Es sei denn, er stammt aus Bayern, wo man gerade noch halbwegs einen ähnlichen Dialekt wie den unseren spricht… Wenn ich ein Buch lesen will, bei dem ich so etwas verwenden möchte, dann nehme ich mir wissenschaftliche Lektüre zur Hand, aber keinen Roman der Spannung verspricht.

Und wenn nicht gerade ein Wort aus der Mundart verwendet wurde, dann kommt die wiener Sprechweise raus; “Gibt es etwas Neues vom Katzinger?” anstatt wie für die meisten Personen üblich wäre “Gibt es etwas Neues vom Herrn Katzinger?”. Natürlich lässt sich dieses Detail noch verkraften, so liest man doch immerhin einen Roman, dessen Hauptfigur aus Wien stammt. Aber auch Bücher, die aus dem Englischen übersetzt werden, beinhalten oft Wortwitze, die auf Deutsch gar nicht logisch wären – alles muss sinngemäß übersetzt werden, damit jeder Leser sich damit identifizieren kann. Dieser eine Kritikpunkt allerdings kann durch das Detail wieder außer Kraft gesetzt werden, da der Autor durch ebendiesen Dialekt seine eigensinnige Schreibweise unterstreicht und dabei einen Pluspunkt erzielt.

Da ich auch sehr stark auf Filmfehler achte, ärgere ich mich über logische Fehler in einem Buch. Wenn auf Seite 2 etwas anders erklärt oder beschrieben wird, wie auf Seite 264 ist das ja noch zu entschuldigen, da so etwas Mal passieren kann. Genauso wie Schreib- bzw. Tippfehler. Aber dass man auf ein und derselben Seite den Hauptcharakter das Handy in die Hand nehmen lässt, genau beschreibt wie es eingeschalten und dann gleich wieder ausgeschalten wird und drei Sekunden später tippt derjenige auf einmal eine SMS in sein Handy und erklärt im selben Moment aber wieder, dass er eine Antwort auf seine Mail erwarte… das ist zu viel des Guten, so etwas ärgert den Leser.

Die bemüht anspruchsvolle Wortwahl ist gut, die Umgebung wird umschrieben und so sieht man den Charakter nicht nur in einem leeren, weißen Raum vor sich stehen, sondern kann sich das ganze bildlich vorstellen. Leider aber zwingt die übergroße Liebe zum Detail, die ich zuvor schon erwähnt hatte, den Leser dazu, sich regelrecht ein Drehbuch im Kopf zusammenzubasteln, anstatt eigene Fantasie einfließen lassen zu können. Man wird quasi gezwungen, alles eins zu eins in seinem Kopfkino abzuspielen. Bei all den genauen Umschreibungen wundert es mich beinahe schon fast, dass nicht Martin selbst oder eine der anderen Personen so detailliert beschrieben wurde. Rein das Äußere dieser Personen kann man sich selbst ausdenken.

Einerseits arbeitet Martin als Journalist an einem Bericht über die rechtsextreme Szene und beschäftigt sich aktuell viel mit Neonazis, andererseits wird durch die penible Betonung einer bestellten slowakischen Krankenschwester, die seine Schwester für die kranke Mutter bestellt hat, eine leicht ausländerfeindliche Ansicht über die ganze Familie gebracht. Ein kleines, vielleicht unwichtiges Detail. Aber mich stört es – besonders in der Kombination mit der wirklich oft benützten Fäkalsprache. Mag schon sein, dass der Charakter als unsymphatisch dargestellt werden sollte. Aber dabei regelmässig die Wörter (Hunde-)Scheiße, Ficken, Schwanz und anderes verwenden zu müssen, ist nicht unbedingt notwendig. Ich erwarte mir von einem Mystery-Roman mehr als eine Einleitung, die über 170 Seiten läuft und sich die Spannung gerade Mal über die letzten 30 Seiten erst richtig aufbaut.

Allerdings gilt es als positiv, dass der Vorgangeines Hörsturzes so detailliert beschrieben wurde. Da sich im Grunde genommen alles um diesen medizinischen Hergang dreht, ist es wichtig, dass nicht vorausgesetzt wird, jeder Leser weiß genau Bescheid, was so etwas eigentlich bedeutet. In meiner Familie gibt es ebenfalls einen Fall eines so schweren Hörsturzes, leider chronisch, aber das hat hiermit nicht unbedingt etwas zu tun – jedenfalls weiß ich von dieser Person genau, wie so etwas sein muss und lobe hier wirklich, dass jede Situation – vom Angstgefühl bis zu dem unerträglichen Rauschen – so realistisch wiedergegeben wurde.

Erstmals auf Seite 102 tritt Spannung auf, mit einem kleinen Nebenstrang der über wenige Seiten läuft – und wenige heißt in diesem Fall unter 5 – von dem man allerdings im weiteren Verlauf der Geschichte kaum mehr etwas mitbekommt. Der erste Hauch der eigentlich versprochenen Mystery beginnt ab Seite 154. Bin ich eigentlich die einzige Person, die jedes Mal beim Rauschen im Ohr, als etwas Komisches passiert ist, an Silent Hill denken musste?Die letzten 100 Seiten waren zumindest recht gut. Die beklemmende Stimmung wurde wirklich super hervorgehoben, wenn man über den hektischen Ablauf hinwegsieht. Ich kenne das Buch Bad Fucking nicht, das ebenfalls aus der Hand von Kurt Palm stammt und überall so groß angepriesen wird – aber für Mystery ist der Autor in meinen Augen nicht sonderlich geeignet.

Ja… wie bereits gesagt, hätte ich mich geärgert, hätte ich mir dieses Buch gekauft. Wäre es nicht ein Buch, das ich über Blogg Dein Buch erworben hätte und somit zu einem Review verpflichtet bin, hätte ich es noch vor der 50. Seite weggelegt und wohl nie mehr angefasst. Wer trotzdem gespannt darauf ist, kann sich das Buch unter folgenden Wegen zulegen:

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Das Buch wurde von mir Im Zuge der Kooperation mit Blogg dein Buch gelesen und rezensiert. Wer auch gratis Bücher erhalten möchte und diese dann nach einer Frist von etwa 30 Tagen Lesezeit auf seinem Blog rezensiert, klickt einfach auf obiges Logo und meldet sich direkt an. Alles weitere erfahrt ihr direkt auf der Website von Blogg dein Buch.

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