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Das war das Mittelalter

Heutzutage finden immer mehr Mittelalterfeste statt, um die Zeit von damals wieder zum Leben zu erwecken. Das Frühmittelalter im Sinne dieser Unterseite bezeichnet in der Mediävistik die Periode der Geschichte nach dem Ende der Antike bis zum Hochmittelalter. Die Germanen glaubten an Götter und an das Fortleben nach dem Tod. Diese Ansichten sind noch zu erkennen in Sagen und Märchen aus dieser Zeit. Die Völkerwanderung, welche von 375 bis 568 nach Christus stattfand, kündigte den Zerfall des Römischen Reiches und den Beginn des Mittelalters und damit gleichzeitig das Ende der Antike an. Sie veränderte und erweiterte das Bewusstsein der germanischen Stämme. Bräuche und Sitten aus anderen Ländern regten zur Neuorientierung an. Während dieser Zeit kam es zur Wanderung von Stämmen innerhalb Europas.

Die Herrschaftsgewalt zersplitterte sich zunächst in grundherrschaftliche, später in lehensrechtliche Beziehungen bis hin zur Entstehung des Königreiches. Die Macht wurde dabei nicht nur von den Adligen, meistens Lehnsherren, ausgeübt, sondern auch von der Kirche, die eine eigene Machtposition vertrat. Durch Salbung des Königs war dieser auch kirchlich legitimiert. Im Frühmittelalter war die Kirche der Kulturträger der Gesellschaft, denn meist nur der Klerus wusste über das Lesen und Schreiben bescheid. Die Gesellschaft war geteilt in die Stände Adel, Klerus und Bauern. Sie richtete sich auf agrarwirtschaftliche und naturalwirtschaftliche Produktion aus.

Im Frühmittelalter prägten vor allem die drei Adelsgeschlechter Karolinger, Ottoner und Salinger. Einer der bedeutendsten Vertreter des frühen Mittelalters war Karl der Große. Er erbte 771 das fränkische Königtum und schuf innerhalb 30 Jahren ein Reich, das von Polen bis zu den Pyrenäen reichte.

Die Langobarden, die von 773 bis 774 existierten, unterlagen ihm recht rasch, aber die Sachsen ergaben sich erst nach vielen Jahren des Kampfes. Der Versuch, das damals noch muslimische Spanien zu erobern, ereignete sich im Jahr 778 und schlug fehl. 788 unterlag Bayern, kurz darauf das mächtige Awarenreich. Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde Karl in Rom zum Kaiser gekrönt. Gelehrte aus dem ganzen christlichen Europa zog es an seinen Hof in Aachen. Nach seinem Tod im Jahre 814 fiel das Reich an den einzigen überlebenden Sohn, wurde aber später zwischen drei Enkeln von Karl dem Großen aufgeteilt, da es sich hier nicht um ein Erstgeburtsrecht handelte.

Im Hohen Mittelalter bzw. Hochmittelalter entfaltete sich allmählich die Ritterzeit. In der Zeit von 1000 bis 1299 ereignete sich das meiste, das wir heute noch vom Mittelalter in Erinnerung haben. Feudale Dörfer genossen den Schutz ihrer Herren, die oft in einer Burg lebten. Der Feudalismus, das militärische und gesellschaftliche System im Europa des Mittelalters, erklärt sich aus dem Bedarf des Königs nach bewaffneter Gefolgschaft im Krieg. Pferde und Rüstung waren teuer und als Entschädigung gewährte der König den Vasallen Ländereien. Der König gelobte, seine Lehensleute zu verteidigen und diese schworen ihm den Treueid. Das Land aber verteilten sie unter den gleichen Bedingungen an Untervasallen. Die Idee des Feudalismus schließt die Rechte und Pflichten zwischen Lehensherr und Lehensnehmer mit ein. Hörige und Leibeigene, die das Land bearbeiten mussten, besaßen keine Rechte.

Das erste afrikanische Königreich, das Eisen verarbeitete, war das Reich Kusch, das vom 7. Jahrhundert vor Christus bis zu seiner Eroberung durch Aksum Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christus ein mächtiger Staat war. Das frühmittelalterliche Saharakönigreich Ghana prosperierte im Laufe des 8. Jahrhunderts durch den Handel mit Sklaven, Salz und vor Allem Gold. Im 11. Jahrhundert lenkte es die Begehrlichkeit der Almoraviden auf sich und 1230 erlag es den Angriffen des Volkes von Tukulor – das heutige Senegal. So viel zu den frühen afrikanischen Reichen.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts war Europa weitgehend von Christen bevölkert, die allesamt schon nahezu krankhaft an ihrem Glauben festhielten. Das zerfallene römische Weltreich trat unter die Idee einer im Glauben verbundenen universalen Christenheit. Gesellschaftliche Anerkennung fanden nur die Christen – Heiden und Ketzer mussten zur Zeit der Inquisition mit dem Tod rechnen. Die christliches Gesellschaftsordnung stand unter der Herrschaft des Papstes, dann kamen Bischöfe, Äbte und Mönche. Die Idee einer dominierenden christlichen Kirche kollidierte nicht unbedingt selten mit dem Herrscheranspruch des römischen Kaisers und mit dem erwachenden nationalen Bewusstsein der Staaten.

Die Prostitution stand während des ganzen Mittelalters in hoher Blüte und wurde von der Kirche und Obrigkeit als notwendiges Übel angesehen, um solcherart die ehrsamen und frommen Frauen und Mädchen vor Ehebruch, Jungfrauenschändung und anderen Sünden zu schützen.

1095 rief Papst Urban II zur Befreiung des Heiligen Landes von den Moslems auf. Im ersten Kreuzzug wurden Jerusalem, Antiochia, Tripolis und Edessa erobert, doch die Erfolge waren nicht von Dauer. Nach elf Kreuzzügen war Palästina wieder fest in arabischer Hand.

  • 1096 – 1099 Erster Kreuzzug: Fränkisches Ritterheer erobert Jerusalem.
  • 1147 – 1149 Zweiter Kreuzzug: Auf Betreiben von Bernhards von Clairvaux – Niederlage.
  • 1189 – 1192 Dritter Kreuzzug: Geführt von Kaiser Friedrich I, Richard Löwenherz von England und Philipp II – endet mit Waffenstillstand.
  • 1202 – 1204 Vierter Kreuzzug: Wird zum Eroberungskrieg gegen Konstantinopel umfunktioniert.
  • 1212 Kinderkreuzzug: Tausende französischer und deutscher Jugendlicher kommen bis Italien – viele sterben dabei oder werden versklavt.
  • 1217 – 1221 Fünfter Kreuzzug: Ziemlich verlustreich, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg in Ägypten.
  • 1228 – 1229 Sechster Kreuzzug: Kaiser Friedrich II erreicht durch Verhandlung die Übergabe der heiligen Stätten.
  • 1248 – 1254 Siebter Kreuzzug: Ludwig IX von Frankreich hat nicht gerade viel Erfolg in Ägypten.
  • 1270 – 1272 Achter Kreuzzug: Kreuzzug gegen den Mamlukensultan Baibars I – von Ludwig IX begonnen, der 1270 stirbt. Weitergeführt und danach beendet wurde der Kreuzzug von Eduard I aus England.

Der ritterliche Verhaltenskodex verband christliche und militärische Ideale, die sich im 12. und 13. Jahrhundert herausbildeten. Diesen Vorstellungen entsprechend hatte ein Ritter fromm, ehrenhaft, tapfer und gehorsam zu sein. Außer in der Schlacht galt der Kodex auch für Turniere – Gruppenkämpfe, in denen zwei Reitergruppen gegeneinander fochten – genauso wie für Zweikämpfe. Im 15. Jahrhundert bildete sich das Stoßen heraus, bei dem der Ritter mit eingelegter Lanze versuchte, den Gegner im vollen Galopp aus dem Sattel zu werfen.

Schon sehr früh, nachdem sie außer Gebrauch kamen, wurden Runenreihen von lateinkundigen Kirchenmännern als enzyklopädische Kuriositäten und vermeintliche Geheimschriften gesammelt – man stellte die Runen dem griechischen, hebräischen und chaldäischen Alphabet an die Seite, den Tironischen Noten und dem Phantasiealphabet des Aethicus Ister.

Besonders das Kloster Fulda mit seiner starken insularen Tradition pflegte im 9. Jahrhundert, wie es scheint, einen Forschungs- und Sammelschwerpunkt ‘Runica’.

Ursprünglich waren Hansen genossenschaftliche Vereinigungen norddeutscher Kaufleute zur gegenseitigen Unterstützung im Ausland. Später waren ganze Städte Mitglieder der Hansen. Ende des 13. Jahrhunderts war die Deutsche Hanse zu einem mächtigen Bund geworden. Sie beherrschte – notfalls mit Waffelgewalt – den Handel im Ostseeraum, in Holland und England bis ins 15. Jahrhundert. Meist in Lübeck fanden die Hansetage statt, deren Beschlüsse bindend waren.

Gilden, Berufsgenossenschaften von Kaufleuten und Handwerkern, bildeten sich im Europa des 11. Jahrhunderts und prosperierten parallel zur Stadtentwicklung. Die Handwerksgilden legten Qualitätsstandards, Zahlungsfristen oder Arbeitsbedingungen fest. Die mächtigen Gilden der Kaufleute bildeten in vielen Städten zugleich den Magistrat.

Vorläufer der großen Ritterburgen war eine frühe Befestigungsanlage, die man Motte nennt. Unter einer Motte versteht man einen aufgeschütteten Erdhügel, auf dem ein hölzerner Wohn- und Wehrturm stand, der von einer starken Palisade umgeben war. Die meisten Motten hatten am Fuße des Berghügels einen weiteren von Palisaden geschützten Bereich, in dem Ställe und Wirtschaftsgebäude untergebracht waren.

Die Burgmauer ist an mehreren Stellen durch Türme verstärkt, die eine bessere Verteidigung ermöglichen. Überall entlang der Mauer befinden sich Öffnungen, durch die man den Feind beobachten und Steine, brennbares Material (wie Pech und Teer) oder andere Gegenstände hinabwerfen kann, um die Angreifer zurückzudrängen. Diese Öffnungen nennt man daher auch Gusslöcher oder Pechnasen.

Wenn die Zugbrücke hochgezogen wird, ist die Burg von außen nicht mehr zu erreichen, es sei denn, man schafft es, den Wassergraben zu durchqueren und Fallgatter und Burgtor zu überwinden. Zusätzlichen Schutz bietet manchmal eine dem Tor vorgelagerte Befestigungsanlage. So eine Befestigungsanlage heißt „Vorwerk” oder „Barbakane”.

Ein Fallgatter war ein schweres Gitter, das vor einem Burgtor herabgelassen werden konnte, um den Zugang zur Burg zu versperren. Das Tor befand sich innerhalb eines Torhauses, einem der Wachtposten in der Befestigungsanlage. Der Durchgang zur Burg konnte durch eine Art Tunnel im Torhaus führen und wurde von einem oder mehreren Fallgattern in der Mitte oder an den beiden Enden abgesperrt. Der Kurbelmechanismus für das Fallgatter befand sich im oberen Teil des Torhauses und wurde strengstens überwacht. Das Fallgatter war meist ein Gitter aus massiven Holz- oder Eisenstäben. Verteidiger sowie Angreifer konnten durch das Gatter schießen.

Eine stark befestigte Burg hatte sowohl ein Außen- als auch ein Innentor. Zwischen beiden Toren befand sich ein ungeschützter offener Bereich, der Zwinger. Dieser war von Mauern umgeben und als Falle für die Angreifer konstruiert, die durch das Außentor nach innen gelangt waren. Befanden sich die Angreifer innerhalb der Zwingermauern, so hatten sie nur die Wahl durch das Außentor zurückzukehren oder sich den Weg durch das Innentor zu erkämpfen. In dieser Zeit waren sie jedoch ohne jeden Schutz Pfeilen und andere Waffen ausgesetzt.

Zwischen Burgtor und Hauptburg ist die Vorburg. Hier befindet sich alles, was die Bewohner oder auch die Besucher (Gesinde und Bauern) zum täglichen Leben benötigen. Eseltreiberstube und Gesindehaus, aber auch Töpfer-, Sattler-, Tischler- und Schmiedewerkstätten. So entsteht in der Vorburg fast eine kleine eigenständige „Siedlung” im Schutze der Burg.

Vorburg und Hauptburg sind durch eine zweite Mauer getrennt. In die Hauptburg gelangt man durch die Torhalle.

Der Bergfried ist der höchste Turm in einer Burg. Die Eingangstür befindet sich aus Sicherheitsgründen nicht zu ebener Erde, sondern im ersten Stock. Man gelangt dorthin über eine Einstiegsleiter, die bei Gefahr hochgezogen oder zerstört wird. Im Innern des Turmes befindet sich ein weiträumiger Saal. Durch eine Öffnung in der Decke gelangt man in die oberen Etagen. Zwei weitere Stockwerke liegen unterirdisch. Hier befinden sich der Brunnenschacht, die Vorratsräume und eine Sickergrube für Fäkalien. Der Bergfried diente als letzte Zuflucht bei einem Angriff.

Der Palas ist das eigentliche Wohnhaus des Burgherrn. Ein großer Saal bildet das Kernstück des Wohnhauses und dient als Versammlungsraum und Sitzungssaal.

Im Kemenate befindet sich auch ein Kamin, vor dem sich die Familie des Burgherrn nach dem Abendessen versammelte.

Im Zeughaus werden Vorräte und Kriegsmaterial aufbewahrt. Hier befindet sich eine Art Rüstkammer. Der Marschall ist der Pferdeknecht und Aufseher über die Pferde.

Zisternen sind Anlagen zum Auffangen und Speichern von Wasser.

Im Turm mit den Verliesen befindet sich der Kerker. Hier werden Leute eingesperrt, wenn sie etwas verbrochen haben.

Der Wehrgang ist ein Holzaufbau über der Mauer zur Verteidigung, überdacht.

Der Gottesdienst und die Gebete spielten eine sehr wichtige Rolle im Leben der damaligen Zeit. Viele Burgen hatten daher eine Kapelle, die in der Nähe der Wohnräume lag. Die Kapelle, welche den schönsten Raum in der Burg darstellte, war meist der einzige Raum in der Burg, der Glasfenster hatte, da Glas unglaublich teuer war. Einer Tradition nach sollte die Kapelle eigentlich der höchste Raum in der Burg sein, um dem Himmel am nächsten zu sein. Dies wurde jedoch von den Baumeistern gerne “vergessen”, da es diese Tradition oft nicht zu verwirklichen war. Einen gebildeten Geistlichen, der auf der Burg den Gottesdienst abhielt, nannte man Kaplan. Der Kaplan war ein wichtiger und angesehener Mann auf der Burg. Meistens hatte er auch noch andere Aufgaben, z.B. unterrichtete er auch oft die Kinder des Burgherren. Oft war der Kaplan und seine Kirchendiener die einzigen Menschen auf der Burg, die lesen und schreiben konnten.

In der Burgküche, die wegen der Brandgefahr oft in einem separaten Gebäude untergebracht war, blieb es, wenn der Burgherr abwesend war, die meiste Zeit ruhig. Wenn jedoch der Burgherr sein Kommen ankündigte, wurden in der Küche die feinsten Gerichte zubereitet. Oft befand sich neben dem Herdfeuer auch ein reisigbeheizter Backofen, in dem Brot gebacken wurde.

Der Hundertjährige Krieg ist als eine Folge von englisch-französischen Waffengängen über mehr als ein Jahrhundert zu verstehen. Sein Grund lag darin, dass das Herzogtum Guyenne ab 1154 als französisches Kronlehen im Besitz der englischen Könige, durch dauernde Prozesse und Rückforderungen der französischen Krone auf den Küstenstrich zwischen Bordeaux und Bayonne geschrumpft war und nun völlig verloren zu gehen drohte. Äußerer Anlass war der Anspruch Eduards III von England auf die Krone Frankreichs nach Aussterben der Kapetinger im Jahre 1328. Mit dem Tod des Sohnes von König Philipp IV trat der Erbfall ein; aber die Stände wiesen Eduards Ansprüche zugunsten Philipp IV zurück.

  • 1337 – 1360 Nach mehreren siegreichen Schlachten sichert sich Eduard III Teile Frankreichs im Vertrag von Brétigny.
  • 1360 – 1396 Schrittweise erobern die Franzosen verlorene Gebiete wieder zurück.
  • 1415 – 1422 Heinrich V erneuert den englischen Anspruch auf den französischen Thron. Als er 1422 stirbt, hinterlässt er einen Sohn.
  • 1422 – 1453 Unter Jeanne d’Arc gewinnen die Franzosen ihre Länder zurück. 1453 ist Frankreich ein geeigneter Nationalstaat, die Engländer haben ihren ganzen französischen Besitz verloren außer Calais, das sie fünf Jahre später verlieren werden – und den Kanalinseln.

Die Pestepidemie – heute besser bekannt unter dem Namen Der Schwarze Tod – reduzierte im 14. Jahrhundert Europas Bevölkerung beinahe um die Hälfte. Der Name rührt von den Blutflecken her, die schwarz durch die Haut der Kranken schimmern. Von Asien, wo sie ausgebrochen war, nahm die Seuche ihren Weg über die Handelsrouten nach Westen; Überträger waren Flöhe und Ratten. Der Pest folgte eine Krise der Landwirtschaft; die Preise gaben nach, die Bauern verelendeten, die Ostsiedlung kam zum Erliegen.

Der Verfall des westafrinakischen Reiches Ghana und der Untergang der Almohaden in Marokko hinterließen im ausgehenden 12. Jahrhundert ein Machtvakuum im westlichen Sahel, das um 1235 ein neues islamisches Mandereich, nämlich Mali, unter König Sundjata auszufüllen begann. Berühmt wurde Mansa Musa, der 1312 bis 1332 regierte, der 1324 Kairo besuchte und nach Mekka pilgerte. Angeblich brachte er dort solche Mengen Goldes in Umlauf, dass der europäische Goldpreis für einige Jahre sank. Der arabische Weltreisende Ibn Battuta schilderte von 1352 bis 1353 den Hof von Mali; er berichtete bewundernd über die Sicherheit auf den Straßen, über Landwirtschaft und Handel. Timbuktu, schon damals Handelszentrum, wurde Mittelpunkt islamischer Kultur und Gelehrsamkeit. Im 15. Jahrhundert verfiel die Zentralgewalt und Mali ging im größeren Songhaireich auf.

Der Beginn des 15. Jahrhunderts ist mit den Hussitenaufständen verbunden, die einen spürbaren wirtschaftlichen Verfall mit sich brachten. Das Land geriet infolge dieser Aufstände in internationale Isolation, da der Papst, und mit ihm die gesamte katholische Kirche Europas, ein Verbot für den Handel mit dem ketzerischen Böhmen, also de facto ein Handelsembargo, verkündet hatte. Der Staat war sehr geschwächt und konnte in dieser Situation den Aufschwung der Produktion, des Handwerks und des Handels keineswegs ausreichend entwickeln. Infolge von Epidemien, Hungersnot und weiteren negativen Begleiterscheinungen der Hussitenaufstände ging die Bevölkerung auf dem Territorium der Böhmischen Länder um 40 bis 50% zurück. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis diese Wunde des Landes geheilt war.

Im 16. Jahrhundert kam es dann zu einer großen Blütezeit. Die Produktion entwickelte sich dank des Zustromes internationaler Meister, wiederum größtenteils aus Deutschland und Italien, immer weiter fort. Zur Regierungszeit Rudolfs II. wurde Prag faktisch Reichshauptstadt und gemeinsam mit dem Hof Rudolf II. kamen auch die größten Künstler und Wissenschaftler jener Zeit nach Prag. In den alchimistischen Werkstätten der Prager Burg gelangte man, neben kuriosen Versuchen zur Gewinnung des Steines der Weisen und ähnlichem, zu ersten Entdeckungen auf dem Gebiet der Naturwissenschaft, insbesondere der Chemie. Hier können wir also auch die Ansätze eines der wichtigsten Industriezweige finden, der später das wirtschaftliche Leben in Böhmen beeinflussen sollten wie nur wenige andere.

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